ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Medizingeschichte(n): Hippokratische Medizin – Grenzen der Heilkunst

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Medizingeschichte(n): Hippokratische Medizin – Grenzen der Heilkunst

Dtsch Arztebl 2006; 103(27): A-1911 / B-1640 / C-1584

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Denn in den Fällen, in denen es uns möglich ist, mit den Werkzeugen der Natur oder der Kunst die Oberhand zu gewinnen, können wir als Handwerker tätig sein, nicht aber in den anderen. Wenn nun der Mensch an irgendeiner Krankheit leidet, die stärker ist als die Werkzeuge der Heilkunst, darf man nicht erwarten, dass diese Krankheit irgendwie von der Heilkunst besiegt werden könnte. [...] Wenn die Krankheit aber stärker ist als die stärksten Mittel, wie sollte es da nicht sicher sein, dass sie unheilbar ist? [...] Dieses mein Argument gilt auch für andere Werkzeuge, die der Heilkunst dienen. Wenn der Arzt von all diesen jedes einzelne erfolglos eingesetzt hat, muß er, so behaupte ich, der Macht der Krankheit die Schuld geben, nicht der Kunst. Die Kritiker derjenigen Ärzte, die die Behandlung von solchen Kranken, die schon von der Krankheit bezwungen sind, ablehnen, fordern nun, dass sich Ärzte ebenso sehr mit den Fällen befassen, die sie nicht angehen, wie mit denen, für die sie zuständig sind. Für diese Forderung werden sie von denjenigen bewundert, die nur dem Namen nach Ärzte sind, von denen aber, die auch von der Kunst her Ärzte sind, werden sie ausgelacht.“
Aus der hippokratischen Schrift „Über die (Heil)Kunst“ (De Arte 8, 1–6); verfasst im 5. Jahrhundert vor Christus von einem unbekannten Autor, enthalten in der hippokratischen Schriftensammlung (Corpus hippocraticum), die nach dem „Vater der abendländischen Medizin“ Hippokrates von Kos (circa 460 bis 370 vor Christus) benannt ist. Zitiert nach Charlotte Schubert: Der hippokratische Eid. Medizin und Ethik von der Antike bis heute. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2005, Seite 56. – Hier wird die Grenze der Heilkunst aus dem Kräfteverhältnis zwischen Krankheit und den natürlichen oder künstlichen „Werkzeugen“ abgeleitet. Ist die Krankheit zu stark, sodass sie nicht bezwungen werden kann, erscheint es für den hippokratischen Arzt als unethisch, den betreffenden Kranken dennoch zu behandeln.

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