ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Kardiovaskuläre Endpunktstudien in der Therapie des Typ-2-Diabetes mellitus: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Kardiovaskuläre Endpunktstudien in der Therapie des Typ-2-Diabetes mellitus: Schlusswort

Seufert, Jochen

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LNSLNS Wir sind Herrn Prof. Erdmann sehr dankbar für den Hinweis, dass in der Metformin-Teilstudie der UKPDS, in der eine kombinierte Gabe mit Sulfonylharnstoffen durchgeführt worden war, eine erhöhte Mortalität zu verzeichnen war (1). Wir möchten jedoch in der Einschätzung dieser Übersterblichkeit nicht so weit gehen, dass wir die Kombination von Metformin und Sulfonylharnstoffen generell als verbotene Kombination, „vor der ausdrücklich gewarnt werden muss“, einschätzen würden. Tatsächlich wurde in der UKPDS nicht die Kombination von Metformin und Sulfonylharnstoffen „head-to-head“ gegen eine Metformin-Placebo-Kombination untersucht. Im strengen Sinne handelt es sich somit nicht um einen direkten Vergleich der Kombinationstherapie mit einer Metformin-Placebo-Behandlung. Deshalb sind hier die möglichen Konsequenzen aus diabetologischer Sicht sicherlich mit Einschränkungen zu bewerten. Da in der UKPDS der therapeutische Zielparameter die Effektivität der Kontrolle der Stoffwechsellage (HbA1c) war, ist nach unserer Einschätzung nicht auszuschließen, dass Patienten, die eine Kombination aus Metformin und Sulfonylharnstoffen erhalten hatten, möglicherweise unter einem weiter fortgeschrittenen Diabetes mellitus litten als solche, die mit einer Metformin-Monotherapie behandelt wurden. Dies würde dann auch implizieren, dass die Patienten in der Kombinationstherapiegruppe möglicherweise eine weiter fortgeschrittene makrovaskuläre Erkrankung hatten. Diese Unterschiede könnten somit zum Teil die erhöhte Mortalität in der Metformin-Sulfonylharnstoff-Gruppe erklären. Dennoch stimmen wir mit Herrn Prof. Erdmann überein, dass gerade bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten aus diabetologischer Sicht der Einsatz einer Kombination von Metformin mit Sulfonylharnstoff kritisch bewertet werden sollte und im Einzelfall eher alternative medikamentöse Therapiekonzepte in Betracht gezogen werden sollten.

Prof. Dr. med. Jochen Seufert
Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie
Abteilung Innere Medizin II
Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetter Straße 49
79095 Freiburg/Brsg.
E-Mail: jochen.seufert@uniklinik-freiburg.de
Prof. Seufert hat Referentenhonorare von Bayer Vital GmbH, Lilly Deutschland GmbH, Novo Nordisk A/S, Pfizer Pharma GmbH, Sanovi-Aventis GmbH und Takeda Pharmaceutical Company erhalten.
1.
UKPDS Group: Effect of intensive blood-glucose control with metformin on complications in overweight patients with type 2 diabetes (UKPDS 34). Lancet 1998; 352: 854–65. MEDLINE
1. UKPDS Group: Effect of intensive blood-glucose control with metformin on complications in overweight patients with type 2 diabetes (UKPDS 34). Lancet 1998; 352: 854–65. MEDLINE

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