ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Rauchen und Alkohol sind Hauptrisikofaktoren für Kehlkopfkrebs: Sigmund Freuds Krankheit
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LNSLNS Herrn Dr. Ramroth et al. ist sehr zu danken für ihr schlüssiges Plädoyer für eine präventive Onkologie, dessen Potenzial die Autoren modellhaft am Beispiel des Kehlkopfkrebs beschreiben. Tabak- und Alkoholkonsum sind nicht nur die Hauptrisikofaktoren für Kehlkopfkrebs, sondern auch für synchrone und metachrone Karzinome im gesamten oberen Atemwegs- und Verdauungsapparat. So tragen Patienten mit Kopf-Hals-Tumorleiden ein Risiko von drei bis sieben Prozent pro Jahr, ein Zweitmalignom zu entwickeln. Dieses Phänomen der multifokalen, syn- und metachronen Karzinogenese der Mundhöhle, des Pharynx, Larynx und oberen Aerodigestivtraktes (nach Tabak- und oft auch Alkoholexposition) bezeichnete Slaughter 1953 als „field cancerization“. Sigmund Freud war gewiss einer der bekanntesten Patienten, der über 16 Jahre an den Folgen der „field cancerization“ litt und schließlich daran verstarb.
Von prospektiven Vorsorgeuntersuchungen aus Japan (1), aber auch aus Berlin (2) weiß man, dass das Risiko einer Zweitneoplasie der Speiseröhre bei Kopf-Hals-Tumoren 7 bis 15 Prozent beträgt. Entwickelt ein Kopf-Hals-Tumorpatient ein symptomatisches Ösophaguszweitkarzinom, wird die Gesamtprognose durch das Ösophaguskarzinom bestimmt, die sehr ungünstig ist. Wird aber das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre (im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung) in einem sehr frühen, asymptomatischen Stadium festgestellt und behandelt, ist die Prognose günstiger (1).
Das Risiko einer Zweitneoplasie bei Kopf-Hals-Tumoren korreliert stark mit dem Ausmaß des (stattgehabten) Tabak- und Alkoholkonsums (3). Die beiden Noxen Tabak und Alkohol potenzieren ihre karzinogene Wirkung. Wie von den Autoren vorgeschlagen, sind Aufklärung und Präventivmaßnahmen, am besten als interdisziplinäre Aufgabe, der viel versprechendste Ansatz, die große Mehrzahl dieser Tumoren zu verhindern.

Prof. Dr. med. Hans Scherübl
Klinik für Innere Medizin
Gastroenterologie und Gastrointestinale Onkologie
Vivantes Netzwerk für Gesundheit
Klinikum Am Urban
Dieffenbachstraße 1, 10967 Berlin
E-Mail: hans.scheruebl@vivantes.de
1.
Horiuchi M, Makuuchi H, Machimura T, Tamura Y, Sakai M: Survival benefit of screening for early oesophageal carcinoma in head and neck cancer patients. Dig Endosc 1998; 10: 110–5.
2.
Scherübl H, von Lampe B, Faiss S et al.: Screening for oesophageal neoplasia in patients with head and neck cancer. Brit J Cancer 2002; 86: 239–43. MEDLINE
3.
Lin K, Patel S, Chu P et al.: Second primary malignancy of the aerodigestive tract in patients treated for cancer of the oral cavity and larynx. Head Neck 2005; 27: 1042–8. MEDLINE
1. Horiuchi M, Makuuchi H, Machimura T, Tamura Y, Sakai M: Survival benefit of screening for early oesophageal carcinoma in head and neck cancer patients. Dig Endosc 1998; 10: 110–5.
2. Scherübl H, von Lampe B, Faiss S et al.: Screening for oesophageal neoplasia in patients with head and neck cancer. Brit J Cancer 2002; 86: 239–43. MEDLINE
3. Lin K, Patel S, Chu P et al.: Second primary malignancy of the aerodigestive tract in patients treated for cancer of the oral cavity and larynx. Head Neck 2005; 27: 1042–8. MEDLINE

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