ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Wallraf-Richartz-Museum: Die Blume Europas

VARIA: Feuilleton

Wallraf-Richartz-Museum: Die Blume Europas

Groß, Roland

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LNSLNS Im Rahmen des Deutsch-Polnischen Jahres sind zurzeit in Köln 80 Gemälde aus dem Nationalmuseum Breslau zu sehen.
Ab und zu erinnert Günter Grass mit einer Lesung auf polnischem Boden daran. Ansonsten bleibt es aber eine recht unbemerkte Angelegenheit: Tatsächlich begeht man 2005/ 2006 ein so genanntes Deutsch-Polnisches Jahr. Jetzt bemüht sich das Kölner Wallraf-Richartz-Museum/Fondation Corboud um den polnischen Kulturraum, indem 80 Gemälde aus dem Nationalmuseum Breslau/ Wroclaw ins gerade kulturell neu animierte Gesamteuropa gerückt werden sollen. Alles östlich der Oder wird seit 1989 auf diese Weise kommentiert, bis hin etwa zu Miroslaw Balka. „Der“ internationale zeitgenössische Kunst- Star Polens wird übrigens gerade in Düsseldorfs Ständehaus K21 (bis 10. September) mit interessanten Videoarbeiten gezeigt.
Doch zurück nach Köln, das den Betrachter bis tief in die sakrale Gotik jenes Kulturraums jenseits der Oder führt. Breslau, im 17. Jahrhundert als „Blume Europas“ bezeichnet, hat dem ganzen Projekt zumindest einen hübschen sommerlichen Titel verschafft.
Polen wurde immer wieder nachhaltig gebeutelt, durch Habsburger, Preußen, Russen, und war dabei von stets tiefem Andachtskatholizismus beseelt. Diese Gottesliebe scheint sich über eine Art ästhetischer Brücke aus hierzulande überwiegend unbekannten Historienbildern des 19. Jahrhunderts in polnische Vaterlandsliebe transformiert zu haben – bisweilen schon recht befremdlichen „Schinken“.
Nichtsdestoweniger gibt das 200 000 Kunstwerke hortende Breslauer Nationalmuseum, zu Hause untergebracht in einer Gründerzeit-Burg des Architekten Friedrich Endell, Einblicke in die schlesische Malerei zwischen Mittelalter und Renaissance, darunter vor allem Mariendarstellungen, Porträtmalerei. Ferner lässt sich der schlesische Barockmaler Michael Willmann entdecken. Einblicke in eine der besten Kollektionen moderner polnischer Kunst, die das Nationalmuseum nicht minder sein Eigen nennt, werden in Köln leider nicht möglich.
Frühsymbolistisch aufgeladene Landschaft
Chronologischer Schlusspunkt ist eine noch dunkel frühsymbolistisch aufgeladene Landschaft Kandinskys („Der Abend“, 1902/1903). Hinweise auf den Münchner Kunstmarkt und Publikumsgeschmack um 1900 liefert etwa das „Kartoffelfeuer“ von Apoloniusz Kedzierski (1889). Die damals beliebten Bauernszenen, in diesem Fall eine Idylle aus drei Kindern, die um ein Feuer in der Dämmerung hokken, verbinden den Farbton der Barbizon-Schule mit dem Detail-Realismus des späten 19. Jahrhunderts. Roland Groß
Die Ausstellung „Die Blume Europas“ ist bis zum 30. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags von 10 bis 20 Uhr, mittwochs bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr; Obenmarspforten (am Kölner Rathaus), Katalog 29,90 Euro. Internet: www.museenkoeln.de
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