ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Offenwinkelglaukom: Neue Fixkombination senkt Augeninnendruck

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Offenwinkelglaukom: Neue Fixkombination senkt Augeninnendruck

Dtsch Arztebl 2006; 103(27): A-1918

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Das chronische Offenwinkelglaukom („grüner Star“, Glaucoma simplex) ist weltweit die wichtigste vermeidbare Erblindungsursache und weist eine hohe Dunkelziffer auf. Sie wird in Deutschland auf eine Million Personen geschätzt, erläuterte Prof. Lutz E. Pillunat (Dresden) in Düsseldorf. Die Betroffenen selbst merken gravierende Funktionsverluste der Augen sehr spät. Gesichtsfeldausfälle werden erst dann wahrgenommen, wenn etwa 50 Prozent der Sehnervenfasern abgestorben sind. Das ist häufig erst nach zehn Jahren der Fall. Sind die Schäden subjektiv spürbar, sind sie nicht mehr reversibel.
In Deutschland ist das chronische Offenwinkelglaukom die häufigste Glaukomform. Kongenitales Glaukom und andere Sonderformen wie das Pseudoexfoliations-syndrom und das Engwinkelglaukom (Winkelblockglaukom) sind vergleichsweise selten. Ein schon im Frühstadium eines Offenwinkelglaukoms messbares Zeichen ist der erhöhte intraokuläre Druck (IOD). Während er im Mittel 15 mm Hg beträgt, haben Patienten mit Offenwinkelglaukom Druckwerte von bis zu 30 mm Hg und mehr.
Je früher die Diagnose gestellt wird, umso eher kann der progressive Krankheitsprozess aufgehalten werden. Um die Erkrankung im Frühstadium zu erkennen, sollte jeder, der das 40. Lebensjahr überschritten hat, regelmäßig den Augenarzt konsultieren – auch wenn die tonometrische und/oder perimetrische Untersuchung in diesen Fällen von den Krankenkassen nicht bezahlt wird.
Neben dem höheren Lebensalter nannte Pillunat Kurzsichtigkeit (Myopie) und Diabetes mellitus als Risikofaktoren. Wichtig ist auch das kardiovaskuläre Risikoprofil, denn die glaukomatöse Optikusatrophie wird durch Hypotonie, aber auch durch arterielle Hypertonie, vasospastische Syndrome und erhöhte Blutviskosität zumindest gefördert.
Ist das Glaukom erkannt, kann seine Progression gestoppt werden. Die Revision schon eingetretener morphologischer und funktioneller Schäden ist aber nicht möglich. Neben der Chirurgie ist eine Anzahl sehr wirksamer Medikamente verfügbar, die den Abfluss des Kammerwassers verbessert oder seine Produktion reduziert. Nach dem ersten Prinzip funktionieren die Carboanhydrasehemmer wie Dorzolamid (Trusopt®), Betablocker wie Timolol und Alpha-2-Adrenozeptor-Agonisten wie Brimonidin (Alphagan®).
Nach dem zweiten Prinzip funktionieren die Miotika oder Parasympathomimetika, wie Pilocarbin und Carbacol, die gut 100 Jahre lang die Mittel der Wahl waren. Die jüngste Gruppe der Antiglaukomatosa sind die Prostaglandin-Analoga wie Latanoprost (Xalatan®). Sie erhöhen die Durchlässigkeit des Ziliarkörpers und der Lederhaut, sodass das Kammerwasser absickern kann, erklärte Dr. Martin Winter (Bremen). Jedes wirksame Medikament kann spezifische Nebenwirkungen provozieren und hat auch seine speziellen Kontraindikationen. Der Augenarzt muss daher eine individuelle Dauermedikation finden.
Schon die fixe Kombination aus Dorzolamid und Timolol (Cosopt®) hat die Glaukomtherapie bereichert. Die neue Fixkombination Brimonidin/Timolol (Combigan®) senkte den Ausgangswert des IOD in einer doppelblinden Multicenterstudie mit mehr als 1 100 Patienten um 33 Prozent; 57 Prozent der Patienten erreichten den avisierten Zieldruck von unter 18 mm Hg (Brimonidin 24, Timolol 40 Prozent). Im direkten Vergleich beider Präparate war Combigan, das nur zweimal täglich getropft werden muss, nach Angaben von Winter überlegen. Bei 13 Prozent der Patienten traten vorübergehende Nebenwirkungen wie Hyperämie der Bindehaut und Augenbrennen auf. Siegfried Hoc
Einführungs-Pressekonferenz Combigan®: „Kombinierte Kraft bringt den IOD zurück in die Spur“ in Düsseldorf, Veranstalter: Pharm Allergan
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