ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Ärztehaus an der Klinik: Es ginge noch viel mehr

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Ärztehaus an der Klinik: Es ginge noch viel mehr

Rieser, Sabine

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LNSLNS Eigentlich war es anders geplant, erzählt Dr. med. Rolf Bauer*. Ein paar Fachärzte in der Kleinstadt wollten ein Ärztehaus bauen und sich dort niederlassen. Das örtliche Krankenhaus erweiterte jedoch und bot ihnen an, sich in dem Neubau anzusiedeln. Tür an Tür sollten sich ambulante und stationäre Versorgung besser verzahnen lassen – soweit die Idee. Und heute?
Bauers Bilanz ist zwiespältig. „Wir wollten mehr stationär arbeiten, aber das ist nicht so einfach für Niedergelassene“, sagt der Internist. Betten anmieten auf einer Station und dort Patienten behandeln, so etwas geht nicht ohne weiteres. Umgekehrt tun sich die Kollegen im Krankenhaus seiner Erfahrung nach schwer, Geräte bei einem niedergelassenen Arzt zu nutzen. Ein gewisser Dünkel spiele dabei auch eine Rolle, aber: „Diese Strukturen gehören aufgeweicht. Dann könnte die Versorgung vielleicht sogar billiger werden.“
Manches läuft allerdings schon recht gut. Die belegärztlich tätigen Kollegen Bauers sind zufrieden mit der Nähe zum Krankenhaus, ebenso die Chirurgen, die dort ambulant operieren. Der niedergelassene Gastroenterologe hat bis auf ein kleines Sprechzimmer seine Räume in der Klinik und nutzt den dortigen hohen Standard, um selbst qualitätsgesichert zu arbeiten. Für manche Vertreter der Inneren Medizin wie Bauer ist die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus allerdings schwieriger. „Wir liegen schon ein bisschen im Clinch“, sagt er. Ihnen mauert der Chefarzt zu stark. Umgekehrt fänden sie zwar eine stärkere Öffnung der Klinik zur ambulanten Versorgung hin besser, aber nur, wenn es nicht zu ihrem Nachteil ist. So bleiben Potenziale ungenutzt.
Ursprünglich war beispielsweise angedacht, die Röntgengeräte der Klinik zu nutzen, statt selbst noch einmal zu investieren. Doch Bauer und seine Kollegen misstrauten dem Tempo der Klinikärzte aus eigener Erfahrung. „Früher im Krankenhaus habe ich nach einer Stunde mal gefragt, wo mein Patient bleibt, wenn er nicht vom Röntgen wiederkam. In der Praxis muss das heute gehen wie Brezelbacken“, erläutert er. Ein anderes Beispiel: Bauer und sein Praxispartner setzen Belastungsuntersuchungen ein, für die es zwei Arten von Geräten gibt. Eines steht in der Praxis, das zweite hätten sie der Klinik gern abgekauft. Es stand dort weitgehend ungenutzt herum, hatten ihnen die Kollegen erzählt. Doch als sie dies dem Chefarzt vorschlugen und anboten, für die Klinik bei Bedarf die Untersuchung zu übernehmen, stießen sie auf Abwehr: Das Gerät sei regelmäßig im Einsatz, hieß es auf einmal.
Unter dem Strich ist der Facharzt aber nicht unzufrieden. „Es sind schon alle Weichen auf Kooperation gestellt“, findet er. „Ich bin der festen Überzeugung, dass das noch wächst.“ Es müssten eben alle ein wenig über ihren Schatten springen. Dann bliebe ihm und seinen Kollegen häufiger der durchgängige Kontakt zu den eigenen Patienten erhalten – etwas, was er als Niedergelassener zuweilen vermisst. Dafür gefällt Bauer, dass er regelmäßig die Kollegen aus der Klinik trifft und sich mit ihnen austauscht. Wie er das schafft? „Ich kann die Krankenhauskantine mitbenutzen.“ Rie

* Name von der Redaktion geändert
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