BÜCHER

Schamanismus und Psychotherapie. Kräfte der Heilung

PP 5, Ausgabe Juli 2006, Seite 319

Picard, Winfried

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Schamanismus: Mutiger Brückenschlag
Winfried Picard: Schamanismus und Psychotherapie. Kräfte der Heilung. Param Verlag, Ahlerstedt, 2006, 208 Seiten, gebunden, 22,70 €
Picard geht in seinem Buch der Frage nach, wie schamanische Praxis psychotherapeutisches Bemühen befruchten kann. Es entsteht an keiner Stelle der Eindruck, dass er damit nur einen Trend aufzeigt oder auf einer esoterischen Welle schwimmt, sondern man lernt Picard, der jahrzehntelange Erfahrung in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie hat, als modernen Schamanen kennen, der einem Herzensanliegen folgt.
Picard holt weit aus, berichtet, mit einem Exkurs in die Neurophysiologie, aus vielen Bereichen des Schamanismus. Er erläutert die Metaphern der schamanischen Reisen in die untere und obere Welt, der Initiation, der personalen Helfer und Krafttiere, führt in uralte Heilrituale wie die Seelenrückholung ein. Es besteht eine deutliche Nähe zu Jung und seiner Lehre von den Archetypen und der Arbeit mit Symbolen sowie zur Kathathym-Imaginativen Psychotherapie und zur neueren Traumatherapie. Picard zeigt Ähnlichkeiten auf, arbeitet die Besonderheiten schamanischen Heilens heraus.
Der schamanische Therapeut nutzt sehr konsequent eigene, in der Trance entstehende Bilder, arbeitet mit seiner Gegenübertragung, befragt auch eigene innere Helfer und Krafttiere und fordert den Patienten zu ähnlichen Vorgängen auf. Letztlich ist es eine Frage des Glaubens, ob man der Vorstellung folgt, dass „Hilfsgeister“ nicht nur als menschliche Projektionen im analytischen Sinn zu verstehen sind, sondern auch „Hilfe von außen“ bedeuten können, sodass dem schamanischen Therapeuten eine spirituelle Vermittlerfunktion zukommt. Picard sieht darin auch eine Möglichkeit der dringend notwendigen Entlastung für den psychotherapeutisch arbeitenden Experten.
Einer guten schamanischen Tradition folgend, erzählt Picard in seinem Buch Geschichten, zahlreiche Fallgeschichten, in denen er seine Arbeitsweise aufzeigt, und mehrere Abbildungen aus seiner Symbolsammlung helfen veranschaulichen. In den Fallgeschichten liegt die Stärke des Buches, da man den Autor in seinen Stundenprotokollen als unaufdringlichen, sehr herzlichen und authentischen Begleiter kennen lernt. Er arbeitet präzise den tiefenpsychologischen Fokus heraus und lotet neue Dimensionen der Einfühlung aus.
Bedauerlich ist, dass Picard versucht hat, sowohl den Fachkollegen als auch den schamanisch Interessierten gerecht zu werden. Damit könnte einerseits für den ohnehin an alten Heilritualen Interessierten ein Zuviel, andererseits für die therapeutischen Kollegen ein Zuwenig an Fachbuch enttäuschen. Mutig bleibt dennoch der Versuch eines solchen Brückenschlags.
Monika Meyer-Weselmann
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