ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006rund ums Geld: Auf der Lauer

VARIA: Schlusspunkt

rund ums Geld: Auf der Lauer

Dtsch Arztebl 2006; 103(28-29): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Gibt es an der Börse Leute, die das Gras wachsen hören? Wenn ich auf Analystentreffen oder Haupt­ver­samm­lungen oder bei Kamingesprächen gehäuft auf Leute treffe, die auf hohem Niveau palavern, aber dennoch ziemlichen Unsinn von sich geben, dann zweifele ich schon sehr an der Annahme, manche wüssten besser Bescheid als die breite Masse.
Am schlimmsten sind die Schwätzer, die durchaus Wahrheiten über ein Unternehmen von sich geben, aber wichtigtuerisch so tun, als verkündeten sie Geheimnisse erster Güte, während in Wirklichkeit die eben verkündeten Fakten längst in irgendwelchen Quartalsberichten oder Bilanzen nachlesbar sind. Von den Spezialisten der ganz seltsamen Spezies, die ganz bewusst falsche Fährten legen, um Leute in einen Wert zu locken oder sie bewusst dort rauszuhalten, will ich erst gar nicht reden.
Nach meinen Erfahrungen ist ein wesentlicher Faktor für nachhaltigen Erfolg an den Finanzmärkten die Frage, wo stehe ich als Investor in der Informationskette eines Unternehmens, ich glaube, es ist die entscheidende Einflussgröße überhaupt. Wenn eine Information in der Zeitung steht, ist die Nachricht im Grunde schon veraltet und bringt keinen Zusatznutzen. Auf der anderen Seite liegt es in der Natur der Sache, dass Insiderinformationen nun mal nicht eben so auf der Straße liegen, und zum anderen wäre es auch strafbar, sie auszunutzen, echt fatal so was.
Dabei wäre es doch so schön zu wissen, wie sich etwa Unternehmensvorstände mit den Aktien ihres eigenen Unternehmens verhalten. Vorausgesetzt natürlich, die Führungsorgane einer AG verhalten sich „passend“ in dem Sinne, dass sie, wenn es dem Unternehmen besser geht, auch kaufen, und wenn es voraussichtlich schlechter läuft, vorausahnend verkaufen, also keiner Betriebsblindheit unterworfen sind.
Die Wissenschaft hat darauf eine verblüffend klare Antwort. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass Unternehmensinsider tatsächlich „das Gras wachsen hören“ und signifikante Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Insider und den nachfolgenden Kursen bestehen. Professor Nejat Sehun von der University of Michigan untersuchte von 1975 bis 1981 60 000 Insidertransaktionen und stellte dabei fest, dass Unternehmenslenker ihre Beteiligung an der eigenen Gesellschaft erhöhen, ehe die Kurse dann tatsächlich steigen. Umgekehrt funktioniert das Ganze aber auch, also wenn die Bosse verkaufen, fallen später auch die Werte.
Bevor Sie sich enttäuscht abwenden, noch der Hinweis, dass Sie durchaus von diesen Effekten profitieren können. Seit es § 15 a des Wertpapierhandelsgesetzes gibt, sind diese Transaktionen zeitnah zu veröffentlichen. Im Internet finden Sie diese Goldgruben bei den AGs unter „Directors’ Dealings“. Der Listige macht am Ende noch immer seinen Schnitt. Und das ist auch gut so.
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