VARIA: Post scriptum

Extremsportart Schach

Dtsch Arztebl 2006; 103(28-29): [84]

Pfleger, Helmut

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Sind Sie der Meinung, dass Schach ein gemütliches Spiel für ältere Herrschaften ist? Nun denn . . .
In einer Studie der Seattle Pacific University an hundert Schachspielern stellte der Psychologie-Professor Jeff Joireman mit einem Persönlichkeitstest fest, dass Schach Sensationshungrige anziehe, ähnlich wie Bergsteigen, Extremskifahren und Tauchen. Darüber hinaus entdeckte er, dass der Anstieg des Testosterons im Blut vergleichbar jenem von Menschen sein könne, die riskante Sportarten betreiben. Bei einem am seidenen Faden hängenden Sieg schütte der Körper eines äußerlich ruhigen Grüblers ebenso viel Testosteron aus wie der von Extremkletterern und Fallschirmspringern. Schach sei weniger ein Spiel als „Krieg auf 64 Feldern“, bei dem der Sieger Gefühle des Triumphs und der Dominanz verspüre. Fazit: Schachspieler sind also alles andere als transusige Langweiler, im Gegenteil rechte Draufgänger. Die Studie enthüllte auch, dass wettkampfmäßige Schachspieler stark zu unkonventionellem Denken und zur Paranoia neigen – auf Letzteres hätten wir nun gern verzichtet. Aber Schach und Leben seien kein Wunschkonzert, wie mir Großmeister Klaus Bischoff, mein Co-Kommentator beim „Sparkassen Chess Meeting“ in Dortmund, gerne sagt, wenn ich mich vom Überschwang beim Aufspüren von Mattkombinationen fortreißen lasse. Vermutlich wird er mich auch wieder in der Zeit vom 29. Juli bis 6. August sanft ermahnen, wenn im dortigen Schauspielhaus die „testosterongeschwängerte“ Weltelite aufeinander trifft. Angefangen beim Weltmeister Wladimir Kramnik (Russland), der seinen Landsmann Garry Kasparow entthronte, und Vize-Weltmeister Peter Leko (Ungarn), aber auch dem „Aufsteiger des Jahres“, dem erst 23-jährigen Armenier Levon Aronjan, der seit vier Jahren in Berlin wohnt und schon die Nr. 3 der Welt ist. Als einziger Deutscher und gleichzeitig Dortmunder Lokalmatador tritt der erst 19 Jahre junge Arkadi Naiditsch an, der vor kurzem die deutsche Mannschaft bei der Schacholympiade in Turin erfolgreich anführte.
Als Lockspeise für heute aber eine Kombination der Nr. 4 der Welt, des St. Petersburgers Peter Swidler, der auch in Dortmund dabei ist.
Mit welchem Gewaltzug bewegte Swidler als Weißer seinen Gegner Jewgenij Barejew zur sofortigen Aufgabe?

Lösung:
Nach dem Läufereinschlag 1. Lxb7! gab Schwarz schon auf, weil keine der möglichen Antworten das Weiterspielen lohnt – 1. . . . Dxb7 2. Dd8 matt oder 1. . . . Lxb7 2. Tfe1 mit Damengewinn oder 1. . . . Dc5+ 2. Kh1 Lxb7 3. Tfe1+ Kf8 4. Dd8+! Txd8 5. Txd8 matt oder 1. . . . De3+ 2. Dxe3 fxe 3 3. Lxa8 e2 4. Tfe1 und aus.
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