ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006Ambulante Vergütung: Paradigmenwechsel

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Ambulante Vergütung: Paradigmenwechsel

Dtsch Arztebl 2006; 103(28-29): A-1925 / B-1653 / C-1597

Maus, Josef

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LNSLNS Die Vergütung der niedergelassenen Ärzte steht vor einem fundamentalen Paradigmenwechsel. Jahrzehntelang galt die Einzelleistungsvergütung als die allein angemessene Honorierungsform für freiberuflich tätige Vertragsärzte. Nun jedoch scheint es auf direktem Weg in die weitgehende Pauschalierung zu gehen – und das muss nicht unbedingt schlecht sein.
Die Eckpunkte zur Gesundheitsreform beschreiben eine neue Gebührenordnung, die hauptsächlich Pauschalvergütungen für Haus- und Fachärzte vorsieht. Einzelleistungen sollen nur noch in wenigen erforderlichen Fällen zulässig sein. Von derselben Systematik geht auch das Konzept des Vorstandes der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aus. Auch hier sind Pauschalen – getrennt ermittelt und vereinbart für Haus- und Fachärzte – der Dreh- und Angelpunkt einer neuen Gebührenordnung.
Wird deshalb ein Aufschrei durch die Kassenärzteschaft gehen? Wohl kaum. Die bisherigen Gebührenordnungen waren in ihrer Komplexität viel zu sperrig, um Abrechnungen
ohne erheblichen Zeitaufwand zu ermöglichen. Wenn dann auch noch das mühsame Auflisten von Gebührenordnungspositionen nicht einmal zu einem zufrieden stellenden Honorar führt, weil die Budgetierung und floatende Punktwerte die Vergütung aushöhlen, hält sich die Freude in engen Grenzen.
Pauschalen können die Abrechnung wesentlich vereinfachen und den Arzt entlasten – auch von den permanenten Überlegungen, was er wo und wie bei der Abrechnung ansetzen muss. Aber: Die Pauschalen müssen sinnvoll zugeschnitten und ausreichend hoch vergütet sein.
Das ist unter anderem die Aufgabe der KBV. Deren Vorstand, Dr. med. Andreas Köhler und Ulrich Weigeldt, hat gegenüber der Politik keinen Zweifel daran gelassen, dass eine neue Gebührenordnung in Euro mehr Geld kosten wird. Von 4,5 bis fünf Milliarden ist die Rede. Noch bevor die Euro-Gebührenordnung in Kraft tritt, sollen rund zwei Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden.
Die Honorierungskonzepte der KBV und der Politik sind in weiten Teilen deckungsgleich. Bei den anstehenden Beratungen wird sich zeigen, wie ernst es der Politik mit der Abschaffung der Budgets ist. Josef Maus
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