ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006HPV-Vakzine: Vision wurde Realität

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HPV-Vakzine: Vision wurde Realität

EB

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LNSLNS Der weltweit erste Impfstoff, der gezielt zur Vorbeugung einer Krebserkrankung entwickelt wurde, ist Ende Juni in den USA auf den Markt gekommen. Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und den US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) bildeten die Basis für die Entwicklung der Vakzine. Vor rund 30 Jahren postulierte Prof. Dr. med. Harald zur Hausen, der spätere langjährige wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums, einen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Einige Jahre darauf wurde in seinem Labor der Beweis erbracht, dass bestimmte Typen dieser Viren ursächlich an der Entstehung der Tumoren beteiligt sind. Die Erkenntnis, dass Gebärmutterhalskrebs durch Viren ausgelöst wird, brachte die Wissenschaftler schnell auf die Idee, der Erkrankung mit einer Impfung gegen den Erreger vorzubeugen. Die klassische Methode der Impfstoffproduktion – Anzucht und anschließende Inaktivierung des Virus – schied bei HPV aus: Eine Anzucht des Erregers im Labor ist nicht möglich. Daher kam nur ein mit gentechnischen Verfahren hergestellter Impfstoff infrage.

Anfang der Neunzigerjahre stellte sich heraus, dass sich ein einziges, als L1 bezeichnetes Eiweiß aus dem Proteinkapsid des Virus, spontan zu „leeren“ Viruspartikeln (virus like particles, VLP) zusammenlagern kann. Diese Partikel sind als Impfstoff ideal, da sie wegen der nahezu identischen Struktur vom Immunsystem wie „echte“ Viren behandelt werden; jedoch enthalten sie kein Erbmaterial und sind daher nicht infektiös.

Prof. Dr. med. Lutz Gissmann und seinen DKFZ-Kollegen gelang es, in Kooperation mit den US-Forschern auf der Basis eines aus HPV16 isolierten L1-Gens große Mengen VLP herzustellen. Der Impfstoff ist gegen die beiden wichtigsten krebserregenden Typen HPV16 und HPV18 gerichtet, außerdem gegen die Condylomata acuminata verursachenden Typen HPV6 und -11. Die Rate an Gebärmutterhalskrebs wird um 70 Prozent reduziert. Die Vakzine wurde in klinischen Studien an rund 25 000 Frauen getestet und konnte HPV16- beziehungsweise HPV18-assoziierten Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs hundertprozentig vorbeugen. In Deutschland wird der Impfstoff voraussichtlich Anfang nächsten Jahres zugelassen und von Sanofi Pasteur MSD vertrieben werden. EB
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