ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006Asthma-Therapie: Risiko bestätigt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Lang wirkende Beta-Agonisten erhöhen Gefahr tödlicher Exazerbationen.

Nach den Ergebnissen einer neuen Meta-Analyse kann es unter der Therapie des Asthma bronchiale mit lang wirkenden Beta-Agonisten (LABA) zu schweren Exazerbationen und Todesfällen kommen. Die in den Annals of Internal Medicine (2006; 144: 904–912) publizierte Studie erneuert die seit längerem bestehenden Bedenken gegen diese Substanzgruppe. Ein Editorialist mahnt deshalb zu einem vorsichtigen Einsatz dieser Medikamente. Ein Verbot wird aber nicht gefordert.
Am Anfang standen Berichte über mehrere asthmabedingte Todesfälle bei Patienten, die mit dem Aerosol Salmeterol behandelt worden waren. Die amerikanische Arzneibehörde (FDA) verlangte daraufhin vom Hersteller die Durchführung des „Salmeterol Multicenter Asthma Research Trial“ (SMART), in die 60 000 Patienten randomisiert werden sollten. Doch im September 2002 wurde die Studie nach Einschluss von 36 335 Patienten vorzeitig abgebrochen. Der Grund war ein Anstieg der respiratorisch bedingten Todesfälle (24 versus elf; relatives Risiko RR = 2,16; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06 bis 4,41) und ein Anstieg der asthmabedingten Todesfälle (13 versus drei; RR = 4,37; 1,25 bis 15,34). Auch der kombinierte Endpunkt aus asthmabedingten Todesfällen und lebensbedrohlichen Ereignissen (37 versus 22; RR = 1,71; 1,01 bis 2,89) war erhöht.
Absolute Todesfallzahl gering
In der kürzlich erfolgten Publikation der SMART-Studie (Chest 2006; 129: 15–26) verweist die Gruppe um Harold Nelson vom National Jewish Medical and Research Center on Denver zwar darauf, dass die Zahl der Todesfälle absolut gesehen gering war. Es sei auf Patienten der afroamerikanischen Ethnie begrenzt, bei anderen Gruppen also sicher. Das war jedoch bereits im August 2003 bekannt, als die FDA eine Black-Boxed-Warnung verfügte, während die deutsche Fachinformation bis heute keinen expliziten Hinweis auf die SMART-Studie enthält.
Jedoch hat die Warnung nicht zu einer Änderung des Verschreibungsverhaltens der US-Ärzte geführt, wie Shelley Salpeter vom Santa Clara Valley Medical Center in San José beklagt. Die Wissenschaftlerin legt deshalb eine neue Meta-Analyse vor, die sich auf 19 Studien stützt. Sie bestätigt die in der SMART-Studie gefundenen Ergebnisse. Danach ist das Risiko eines asthmabedingten Todesfalls unter Salmeterol mehr als dreifach erhöht (Odds Ratio 3,5; 1,3 bis 9,3). Aller Voraussicht nach ist das Risiko nicht auf diese Substanz begrenzt.
Nicht auf Salmeterol beschränkt
Die neue Meta-Analyse bezieht auch Formoterol und Eformoterol mit ein. Da zu diesen Wirkstoffen keine Angaben zu asthmabedingten Todesfällen vorliegen, wurde die Rate der Hospitalisierungen als Endpunkt gewählt. Dieses Risiko war unter Formoterol noch höher (Odds Ratio 3,2; 1,7 bis 6,0) als für Salmeterol (Odds Ratio 1,7; 1,1 bis 2,7). Zu Eformoterol lagen zu wenige Daten für eine Bewertung vor. Die Meta-Analyse kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Kinder ebenso gefährdet sind wie Erwachsene, wenn sie regelmäßig mit LABA behandelt werden.
Für den Editorialisten Jeffrey Glassroth (Tufts Universität in Boston) sind die Ergebnisse Anlass, die Ärzte an die Einhaltung der Leitlinien zu ermahnen (Annals of Internal Medicine 2006; 144: 936–937). Diese sehen den Einsatz von inhalativen Steroiden als Mittel der ersten Wahl vor bei Patienten mit mildem oder mittelschwerem Asthma bronchiale. LABAs sollten niemals die Ersttherapie bei Asthmapatienten sein. Erst wenn mit inhalativen Steroiden (nach deren Dosiserhöhung) keine Kontrolle der Symptome mehr erreicht werden kann, spricht sich Glassroth für die Kombination der inhalativen Steroide mit einem LABA aus. Rüdiger Meyer
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema