ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006„G-BA und Akupunktur: Der Kaiser ist nackt“ / „Bundes­aus­schuss: Akupunktur als Regelleistung“: Spektakuläre Forschung in Japan

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

„G-BA und Akupunktur: Der Kaiser ist nackt“ / „Bundes­aus­schuss: Akupunktur als Regelleistung“: Spektakuläre Forschung in Japan

Dtsch Arztebl 2006; 103(28-29): A-1952 / B-1674 / C-1618

Hutzel, Anna

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Foto: Vario Images
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Der Kollege Spiro hat sich sicher nie theoretisch oder praktisch mit der Traditionellen Chinesischen (Japanischen) Medizin (TCM) auseinander gesetzt. Er fühlt sich mit seinem Urteil über die Akupunktur sehr sicher auf dem Boden einer nur noch als mittelalterlich zu bezeichnenden Lehrmeinung der Schulmedizin, die jetzt zum evidenzbasierten Zwangssystem ausgebaut wird . . . Es ist ihm sicher auch unbekannt, dass in Japan neben einer hoch entwickelten westlichen Medizin Universitätsinstitute für Traditionelle Medizin betrieben werden, an denen nur studieren darf, wer ein westliches Medizinstudium absolviert hat. In diesen Instituten wird spektakuläre Forschung betrieben, die der westlichen Medizin ungeahnte Impulse geben könnte . . . Zu Recht kritisiert der Kollege Spiro den Modellversuch über die Wirkung der Akupunktur. Der hat viel Geld verschlungen und ist von den Standards und somit vom Ergebnis her unsinnig. Eine Sham-(Placebo-)Akupunktur ist per definitionem nicht möglich. Kranke Punkte sind tastbar und haben eine ausgeprägte sensible Qualität. Bei derselben schulmedizinischen Diagnose differieren sie von Patient zu Patient, weil die TCM einen anderen Krankheitsbegriff hat. Sie denkt induktiv-synthetisch, während wir im Westen angelehnt an die exakten Naturwissenschaften kausal-analytisch denken. Der Modellversuch kommt mir deshalb so vor, als wollte man die Regeln der englischen Grammatik mithilfe der Mathematik beweisen . . . Mit einer lege artis – sinensis – durchgeführten Ganzkörper-Akupunktur, eventuell in Verbindung mit fernöstlicher Phytotherapie kann man z. B. 70 Prozent der Migräniker heilen: für viele Jahre oder lebenslang. Natürlich entfallen dann die Umsätze u. a. mit den teueren Triptanen, und vielleicht ist das der Grund, warum die Migräne aus der neuen Regelung genommen wurde . . .
Dr. med. Anna Hutzel,
Richard-Riemerschmid-Allee 28, 81241 München
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