ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006„G-BA und Akupunktur: Der Kaiser ist nackt“ / „Bundes­aus­schuss: Akupunktur als Regelleistung“: Verfälschte Studienergebnisse

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

„G-BA und Akupunktur: Der Kaiser ist nackt“ / „Bundes­aus­schuss: Akupunktur als Regelleistung“: Verfälschte Studienergebnisse

Dtsch Arztebl 2006; 103(28-29): A-1953

Schulte-Wintrop, Karl

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Foto: Vario Images
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Aus den Ergebnissen des Modellversuchs (speziell dem der Bundesknappschaft, dem sich ja alle Primärkassen angeschlossen haben) herauslesen zu wollen, dass die Akupunktur nach TCM-Kriterien sich nicht von der Akupunktur von „Nichtakupunktur“-Punkten oder gar Placeboakupunktur unterscheidet ist m. E. nicht haltbar: Das Knappschaftsmodell sah ja eine Aufteilung der Patienten in eine Verum- und eine Placebogruppe vor, d. h., die Akupunkturärzte sollten per Münzwurf entscheiden, ob ein Patient eine reguläre oder aber eine Scheinakupunktur bekommen solle. Auch mir wurde vor Beginn der Modellversuche ein entsprechendes Vertragsformular von der Bundesknappschaft vorgelegt. Da meine Patienten in der Regel unter einer langjährigen Schmerzanamnese zu leiden haben, habe ich es seinerzeit aus ethischen Gründen abgelehnt, an dem Knappschaftsmodell teilzunehmen, da ich es den Patienten nicht zumuten wollte, sich monatelang in der Placebogruppe einer unwirksamen Schmerzbehandlung zu unterziehen. Ich bin sicher, dass auch die meisten Kollegen, die sich dem Knappschaftsmodell angeschlossen haben, in ihren Placebogruppen entgegen dem Studiendesign der Knappschaft keine Schein-, sondern tatsächlich eine Verumakupunktur durchgeführt haben. Auf diese Weise ist es dann zu einer systematischen Verfälschung der Studienergebnisse gekommen . . . Damit ist die Akupunktur erneut in den Dunstkreis von unwissenschaftlichen Placebomethoden gerückt worden, anstatt endlich als hoch wirksame Behandlungsmethode mit circa 3 000-jähriger Erfolgsgeschichte gewürdigt zu werden . . .
Dr. med. Karl Schulte-Wintrop,
Lippmauer 38, 45721 Haltern am See
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