ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006Lobbyismus: Die Spitze eines Eisbergs
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Leider bietet Ihre Recherche über den Lobbyismus im Gesundheitswesen keinen erhellenden Einblick in dieses teils noch sehr gut funktionierende System der Einflussnahme verschiedener Interessenverbände auf die politische Entscheidung. Die Aussagen befragter Abgeordneter erscheinen eher als ein moralischer Imperativ, der auf die praktische Realität nicht zutrifft. Wenn andererseits Herr Prof. Rüdiger Vogel, früher BPI, „einzelne Geschichten, die stimmen“ zugibt, so ist das nur die Spitze eines Eisbergs, sonst würde er diese bestreiten. Die Aktion 200 Millionen Euro für die Krankenkassen bei Nichtantastung der Arzneimittelpreise ist noch nicht lange her, wie sehr wird hier die korrumpierende Macht deutlich. Alle Akteure im Gesundheitswesen, v. a. wir Ärzte, werden seit vielen Jahren realen Kürzungen und Regressen ausgesetzt, die Pharmaindustrie allein boomt dabei wie in „alten Zeiten“. Sie kann sich dabei einen Werbeetat wie kein anderer Wirtschaftszweig leisten, wobei anderen Anbietern im Gesundheitssystem hier enge gesetzliche Grenzen gesetzt sind. Die Einflussnahme der Pharmaindustrie reicht tief in die universitäre Forschung und auch in unsere Reihen der in Praxis und Kliniken Tätigen hinein, warum nicht auch in die der politischen Entscheidungsträger. Dieses „Sponsoring“ kostet sehr viel Geld. Mit einer wahren Flut neuer Medikamente mit fraglichem therapeutischem Fortschritt wird mit staatlicher Genehmigung das durch Generika verlorene Umsatzterrain wiedergewonnen, obwohl auch diese im europäischen Vergleich noch viel zu teuer sind. Es ist letztlich unmoralisch und obsolet, dass ein großer Teil der (zu hohen) Versichertenbeiträge für solche Promotionaktivitäten der Pharmaindustrie verwendet werden. Andere Interessenverbände können mangels Masse keinen ausgleichenden Einfluss geltend machen. Frage: Wie viele Patientenverbände stehen auf der „Sponsoring-Liste“ der Pharmaindustrie?
Dr. med. Armin Lay,
Untermarkstraße 6,
56330 Kobern-Gondorf
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