ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006Praxisgebühr: Experten liegen falsch

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Praxisgebühr: Experten liegen falsch

Dtsch Arztebl 2006; 103(28-29): A-1957 / B-1679 / C-1623

Wettig, Dieter

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Foto: KEYSTONE
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Der Soziologe Dr. Braun mutmaßt, dass die Folgen der Praxisgebühr nicht klar messbar seien. Die Praxisgebühr sei auch als Steuerungsinstrument ungeeignet, meint der Gesundheitswissenschaftler Dr. Holst. Laien könnten beispielsweise bei Kopfschmerzen nicht einschätzen, ob sie eine leichte Grippe oder einen Gehirntumor hätten, deswegen sollten sie immer ohne Eintrittsgebühr den Arzt konsultieren können. Beide Experten liegen falsch, denn die Praxisgebühr hat das ambulante Patientenaufkommen bisher um etwa acht Prozent reduziert, was dem Anteil der Doktorhopper früher entsprach. Eine absurde Vorstellung ist es fürwahr, bei jedem leichten Grippesymptom den Arzt aufsuchen zu wollen oder zu sollen, um einen Gehirntumor auszuschließen. Weder sind seit der Einführung der Praxisgebühr dadurch bedingte verschleppte Krankheiten bekannt geworden (z. B. mehr später entdeckte Hirntumoren) noch sonstige Nachteile durch z. B. Nichterstattung nichtverschreibungspflichtiger Medikamente für alle Patienten über zwölf Jahre. Die Praxisgebühr brachte aber ein Stück Verantwortung zurück zum Patenten; sie ist dessen Solidarbeitrag für Krankheitskosten, die die gesunden Beitragszahler eben nicht verursachen. Die Praxisgebühr sollte ausgeweitet werden und auch bei Vorlage einer Überweisung in etwas geringerer Höhe fällig werden. Das wäre eine Wohltat für Arzt und Patient, weil endlich wieder mehr Zeit für den einzelnen Patienten da wäre bei stabileren oder steigenden Punktwerten für den Arzt oder die Ärztin.
Dr. med. Dieter Wettig,
Erlkönigweg 8,
65199 Wiesbaden-Dotzheim
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