ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2006Reformpolitik: Der politische Wille fehlt
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LNSLNS Ministerpräsident Prof. Dr. Böhmer argumentiert sehr geschickt mit Verständnis einerseits, doch andererseits geht es ihm letztendlich um die Begrenzung der Ausgaben für ärztliche Personalkosten . . . Dabei geht es primär um eine Verhinderung von weiteren Einkommenseinbußen und um eine Beendigung der unbezahlten Überstunden in den Kliniken. In keinem anderen Berufszweig ist die Feudalherrschaft noch so präsent wie in dem der Ärzte. Tatsache ist doch, dass in den letzten Jahren ein großer Prozentsatz von Ärzten, gerade im hausärztlichen Bereich, aber auch in einigen anderen Fachdisziplinen und in den Kliniken, deutliche Einkommenseinbußen hinnehmen musste. Das Gesundheitswesen war in den letzten Jahren ein Bereich von stetigen Einkommensverlusten. Kein anderer Berufszweig hätte dies so hingenommen. Es ist nicht akzeptabel, dass ein Arbeiter in der Metallindustrie ein ähnliches Einkommen erzielt wie ein jahrelang ausgebildeter Arzt. Berechnet man den durchschnittlichen Stundenlohn eines Arztes und vergleicht diesen mit dem eines Arbeiters, z. B. in der Metallindustrie, dann liegt das Einkommen des Arztes noch deutlich darunter. Wir liegen daher im Pro-Kopf-Einkommen der Ärzte im hinteren Drittel Europas, noch hinter Spanien. Aber dies gilt ja auch bald in einigen Jahren für die Gesamtwirtschaft . . . Ziel der Reform muss sein, eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung für alle Bevölkerungsgruppen bei einer leistungsgerechten Bezahlung der Ärzte zu sichern. Ich bin durch meine Ausbildung als Arzt und Wirtschaftswissenschaftler davon überzeugt, dass dies möglich ist – sofern der politische Wille in beiden großen Volksparteien vorhanden ist. Doch dieser politische Wille ist nicht zu erkennen. Noch nicht . . .
Dr. Andreas Grove, Im Steinacker 5, 76547 Sinzheim
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