MEDIZIN: Diskussion

Grundlagen der Kariesprophylaxe bei Kindern: Kariesprävention durch Xylit

Dtsch Arztebl 2006; 103(28-29): A-1970 / B-1691 / C-1635

Bruhn, Ulrich

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Ihrem Beitrag ist zuzustimmen, ein unterschätztes Thema wurde angefasst. Es bedarf einiger Ergänzungen: Der Wissensstand entspricht dem Jahre 1975, der Zeit vor Veröffentlichung der erwähnten „Turku-Zuckerstudie“. Xylit wird nur als ein „Zuckeraustauschstoff“ genannt. Das ist zu kurz gegriffen. Hunderte von Studien haben in den vergangenen 30 Jahren gezeigt, dass Xylit sich durch seine Effekte auf die Bildung der Zahnplaque, Kariesentstehung und Bakterienwachstum von den anderen „Zuckeraustauschstoffen“ unterscheidet. Xylit hemmt das Wachstum derjenigen Bakterien (zum Beispiel Streptococcus mutans), die die Kariesentstehung im Mund erst ermöglichen. Bei Xylit liegt ein bewiesenes, epidemiologisch hochwirksames Potenzial vor. Es sollte gehandelt werden, Karies ist unnötig. In der „Ylievieska-Studie“ (1) wurde gezeigt, dass Kinder in den ersten sechs Lebensjahren vor Karies nahezu geschützt sind, wenn die Mütter vor dem ersten Zahndurchbruch beim Kleinkind die Mundhöhle mittels Xylit von diversen Bakterien „saniert“ haben. Dies ohne weitere Maßnahmen. Welcher Fortschritt: Lutschen statt Putzen. In der „Belize-Studie“ (2) wurde schon vor 1990 offenbar, dass Xylit in Kaugummis hochsignifikant die Kariesentstehung verhindert. Eigene Beobachtungen der vergangenen fünf Jahre zeigten mir, dass sich der Erfolg durch Verwendung von Xylit in Pulverform noch massiv steigern lässt. Zu der „Aktion Zahnfreundlich e. V.“ schreiben Sie: „[. . .] zeichnet Produkte, die weder Karies [. . .] an den Zähnen verursachen [. . .].“ Das ist falsch. Es werden sorbitolhaltige Produkte „ausgezeichnet“. Sorbitol ist kariesfördernd (3).

Dr. med. Ulrich Bruhn
Margaretenstraße 58, 82152 Krailling
1.
Söderling E, Isokangas P, Pienihäkkinen K, Tenovuo J: Influence of maternal xylitol consumption on acquisition of mutans streptococci by infants. J Dent Res 2000; 79: 882–7. MEDLINE
2.
Isokangas P, Alanen P, Tiekso J, Mäkinen KK: Xylitol chewing gum in caries prevention: a field study in Children. JADA 1988; 117: 315–20. MEDLINE
3.
Hogg SD, Rugg-Gunn AJ: Can the oral flora adapt to sorbitol? J Dent 1991; 19: 263–71. MEDLINE
1. Söderling E, Isokangas P, Pienihäkkinen K, Tenovuo J: Influence of maternal xylitol consumption on acquisition of mutans streptococci by infants. J Dent Res 2000; 79: 882–7. MEDLINE
2. Isokangas P, Alanen P, Tiekso J, Mäkinen KK: Xylitol chewing gum in caries prevention: a field study in Children. JADA 1988; 117: 315–20. MEDLINE
3. Hogg SD, Rugg-Gunn AJ: Can the oral flora adapt to sorbitol? J Dent 1991; 19: 263–71. MEDLINE

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