ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006Morbus Crohn: Fehlende Genkopie schwächt Abwehr

AKTUELL: Akut

Morbus Crohn: Fehlende Genkopie schwächt Abwehr

EB

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LNSLNS Vom Gen für ein wichtiges Verteidigungsmolekül des Körpers (beta-Defensin-2) besitzen Morbus-Crohn-Patienten mit Dickdarmbefall eine Kopie weniger als gesunde Menschen. Ein internationales Team unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus dem Robert-Bosch-Krankenhaus (Stuttgart) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (Heidelberg) fand einen möglichen Auslöser für die chronischen Entzündungen. An der Entstehung des Morbus Crohn, der hauptsächlich das Ileum und das Kolon betrifft, sind vermutlich auch genetische und Umweltfaktoren beteiligt. Defensine sind eine der zahlreichen Abwehrwaffen im menschlichen Immunsystem. Die aus nur rund 30 Eiweißbausteinen zusammengesetzten Peptide wirken wie körpereigene Antibiotika, die die Schleimhäute vor Bakterienbefall schützen. Patienten mit Dickdarmbefall durch Morbus Crohn weisen einen niedrigeren Spiegel von Beta-Defensinen in den Schleimhäuten auf.

Die Gene, die die Expression von Defensin kodieren, sind in als „Cluster“ bezeichneten Nestern auf dem Chromosom 8 angeordnet. Die Anzahl dieser Cluster schwankt innerhalb der Bevölkerung erheblich (Polymorphismus). Das Wissenschaftlerteam zeigte nun, dass Patienten mit Dickdarmbefall durch Morbus Crohn im Durchschnitt nur drei Kopien des Gens für beta-Defensin-2 aufweisen. Im Gegensatz dazu findet man bei gesunden Kontrollpersonen, aber auch bei Patienten mit Dünndarmbefall oder mit Colitis ulcerosa, im Schnitt vier Kopien dieses Gens pro Zelle. Die Wissenschaftler zeigten, dass die geringere Kopienzahl der Gene tatsächlich mit einer verringerten Produktion des körpereigenen Antibiotikums einhergeht und damit den niedrigen Defensin-Spiegel erklärt. Sie vermuten, dass die Verteidigungslinie der Darmschleimhaut dadurch durchlässig wird, Bakterien sich anheften und in die Schleimhaut eindringen, was zu den typischen Entzündungsherden des Morbus Crohn führt.

An der schubweise verlaufenden, chronischen Darmentzündung leiden in Deutschland schätzungsweise 150 000 Menschen; die Neuerkrankungsrate liegt bei rund fünf pro 100 000 Einwohner pro Jahr. Die Erkrankungshäufigkeit ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Morbus-Crohn-Patienten haben auch ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. EB
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