ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006E-Government im Gesundheitswesen: 24 Stunden geöffnet

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E-Government im Gesundheitswesen: 24 Stunden geöffnet

Dörr, Michael; Lösche, Peter; Brand, Helmut

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LNSLNS Die Gesundheitsämter erweitern ihr Dienstleistungsangebot im Netz.

Nachdem die Einführung von Soft- und Hardware die verwaltungstechnische Entwicklung im Gesundheitswesen über das letzte Jahrzehnt prägte, ist vor allem auf institutioneller Ebene der nächste informationstechnologische Quantensprung in Sicht. Die Verlagerung von Dienstleistungen in das Internet, umrissen mit dem Begriff „E-Government“, wird für Behörden zunehmend attraktiver. Hierbei spielen einerseits wirtschaftliche Gründe eine Rolle. So lautet eine These der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung: „Die an der Nachfrage orientierte Vernetzung von Dienstleistern und verschiedenen Verwaltungen wird die Leistungen für die Kunden effizienter machen und die Kosten der Verwaltungen reduzieren.“ Andererseits schätzen immer mehr Bürger die Möglichkeit, Dienstleistungen rund um die Uhr individuell zu nutzen.
Erste derartige Webangebote hat inzwischen auch der Öffentliche Gesundheitsdienst realisiert: So bietet eine Reihe von Gesundheitsämtern umfassende Verzeichnisse über Akteure im Gesundheitswesen an, etwa zu Ärzten, Psychologen, Apotheken und Selbsthilfegruppen bis hin zu Gemeinschaftseinrichtungen wie Seniorenzentren. Gegenüber der Printform bieten diese Register komfortable Suchmöglichkeiten, sind stets aktuell und lassen sich hinsichtlich der Nutzungsrate auch evaluieren. So wies der vom Fachdienst Gesundheit der Stadt Neumünster veröffentlichte Gesundheitswegweiser 2005 bereits dreißigtausend Zugriffe auf. Das Gesundheitsamt der Stadt Zwickau präsentiert einen Gesundheitsführer mit integrierter Anbindung an ein geographisches Informationssystem. Viele Gesundheitsämter haben ähnliche Lösungen realisiert.
Darüber hinaus steht ein breites Spektrum an internetbasierten Dienstleistungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes für Bürger, Experten, Firmen und Ämter zur Verfügung, wie eine Fachtagung für Mitarbeiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Düsseldorf demonstrierte.
Orientierung am Kunden
Die BundOnline-Initiative 2005 fordert die Umsetzung von E-Government bereits seit Jahren. Einem systematischen Überblick der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften zufolge unterscheidet man hinsichtlich der Kundenorientierung zwischen:
- G2G (government to government) – Anwendungen von Behörden für Behörden. Ein Beispiel hierfür ist der Uminfo-Verbund für den fachlichen Austausch der Gesundheitsämter.
- G2C (government to citizen) – Lösungen als elektronische Interaktion zwischen Verwaltung und Bürger. Ein praxisbezogener Ansatz ist die vom Gesundheitsamt des Landkreises Aurich betriebene Homepage (www.gesund
heitsamt-ek-aurich.de), die informativ und außerdem ansprechend für den Bürger gestaltet ist.
- G2B (government to business) – Geschäftsbeziehungen zwischen Verwaltung und Wirtschaft (Praxen, Kliniken) auf Internetbasis. G2B-Applikationen sind beispielsweise vom Öffentlichen Gesundheitsdienst online zur Verfügung gestellte Informationen für Ärzte und Medizinexperten, wie etwa die Website des Robert Koch-Institutes.
In der Praxis nutzen die Gesundheitsämter vielfältige Softwarelösungen. So arbeiten die 54 Gesundheitsämter in Nordrhein-Westfalen beispielsweise mit dem so genannten Noxeninformationssystem (NIS) und einem Überwachungsprogramm für die regionale Trinkwasserbeschaffenheit (TEIS). Zum Repertoire gehören außerdem Indikatoren und Tools für eine verlässliche Gesundheitsberichterstattung vor Ort sowie Software zur evidenzbasierten Suche im Netz.
Hilfreich ist auch ein Content-Management-Modul, mit dem sich die Inhalte der Webseite eines Amtes zeitnah und autonom aktualisieren lassen, sodass wichtige regionale Gesundheitsinformationen verzögerungsfrei vermittelt werden können.
Die Webauftritte müssen zudem barrierefrei sein. Hinzu kommen juristische Rahmenbedingungen, die zu beachten sind. Wesentliche Vorgaben finden sich vor allem im Teledienstgesetz und in der Musterberufsordnung für Ärzte.
Mittlerweile sind nahezu alle der bundesweit 438 Gesundheitsämter online – wenn auch in unterschiedlicher Qualität. So stößt der Surfer teilweise noch auf Defizite bei der Grafikdarstellung, auf veraltete Informationen und unzulässige Werbeeinblendungen, ebenso jedoch auf informatives Material zum Download und auf übersichtliche Darstellungen von Serviceleistungen. Zwar wurde bisher keine Webseite zertifiziert – beispielsweise durch das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) –, doch präsentieren sich die Gesundheitsämter überwiegend mit einem gelungenen Angebot.
Das Tagungsprogramm einschließlich der Präsentationen und Skripte ist unter www.oegd.de abrufbar.
Michael Dörr, Peter Lösche, Helmut Brand
Kontaktadresse für die Autoren:
Dr. med. Michael Dörr
c/o Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss
Auf der Schanze 1, 41515 Grevenbroich
E-Mail: gesundheitsamt@rhein-kreis-neuss.de

Kontaktadresse für die Autoren:
Dr. med. Michael Dörr
c/o Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss
Auf der Schanze 1, 41515 Grevenbroich
E-Mail: gesundheitsamt@rhein-kreis-neuss.de

Weiterführende Informationen
EDV im ÖGD: www.oegd.de
Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss: www.gesundheitsamt-ne.de
Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW: www.loegd.nrw.de
Nordrheinische Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung: www.akno.de
Anzeige
1.
Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung/Projektgruppe BundOnline: Wissensmanagement; Webseite: www.wms.bundonline.bund.de (Dienstleistungen/Beteiligte Ressorts und Behörden/Ressortübersicht/BMGS)
2.
Div: eGovernment: Kompendium 2006 – Referenzbuch für den Öffentlichen Sektor. Vogel IT Medien GmbH, München 2005
3.
Div: 24 Stunden geöffnet – eGovernment im ÖGD. Tagungsband des 3. EDV-Forums für Gesundheitsämter und der 9. lögd-Jahrestagung im März 2006. Nordrheinische Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung Düsseldorf 2006
4.
Dörr M: eGovernment im Öffentlichen Gesundheitsdienst – Fortbildung für EDV-interessierte Ärztinnen und Ärzte sowie Public Health-Einrichtungen wie Gesundheitsämter im März 2006. Rhein. Ärzteblatt 2006, 60 (2), 28; www.aekno.de/htmljava/i/themenmeldung.asp?id=624
5.
Dörr M: Chance für den Öffentlichen Gesundheitsdienst – Gesundheitsämter finden den Weg ins Internet. Dt Arztebl 2001, 98(7), A: 376–378 VOLLTEXT
6.
Dörr M: Elektronischer Informationstransfer im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Das Gesundheitswesen 2000, 62, 305–9
1. Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung/Projektgruppe BundOnline: Wissensmanagement; Webseite: www.wms.bundonline.bund.de (Dienstleistungen/Beteiligte Ressorts und Behörden/Ressortübersicht/BMGS)
2. Div: eGovernment: Kompendium 2006 – Referenzbuch für den Öffentlichen Sektor. Vogel IT Medien GmbH, München 2005
3. Div: 24 Stunden geöffnet – eGovernment im ÖGD. Tagungsband des 3. EDV-Forums für Gesundheitsämter und der 9. lögd-Jahrestagung im März 2006. Nordrheinische Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung Düsseldorf 2006
4. Dörr M: eGovernment im Öffentlichen Gesundheitsdienst – Fortbildung für EDV-interessierte Ärztinnen und Ärzte sowie Public Health-Einrichtungen wie Gesundheitsämter im März 2006. Rhein. Ärzteblatt 2006, 60 (2), 28; www.aekno.de/htmljava/i/themenmeldung.asp?id=624
5. Dörr M: Chance für den Öffentlichen Gesundheitsdienst – Gesundheitsämter finden den Weg ins Internet. Dt Arztebl 2001, 98(7), A: 376–378 VOLLTEXT
6. Dörr M: Elektronischer Informationstransfer im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Das Gesundheitswesen 2000, 62, 305–9

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