ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006Ärzte als IM: Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit
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LNSLNS . . . Ich habe 40 Jahre in der DDR gelebt und bin 28 Jahre da als Arzt tätig gewesen. Ich habe selbstverständlich meine Akte eingesehen und weiß bis heute nicht, wer sich hinter all den Decknamen verbirgt. Von den Enttarnten bin ich mehr als enttäuscht, ich bin verraten und verletzt worden. Sollten das die Abertausenden von IMs nicht doch endlich begreifen, dass vor allem darin ihre Schuld besteht, dass sie sich leichtfertig oder aus persönlichen Gründen (materielle Vorteile oder Beteiligung an der Macht) bewusst – bei aller Differenzierung ihrer Motive – dazu entschieden haben, Verräterdienste zu leisten, soweit sie nicht selbst unter einem massiven Druck vonseiten der Stasi aufgrund einer persönlichen misslichen Lebenslage gestanden haben? Mit der „gewissen Schuld“, die der Interviewte nicht einmal „als übermäßig empfunden“ hat, und in der Möglichkeit, „mit solch einem Gespräch ein kleines bisschen von der Schuld abtragen“ zu können, ist es doch nun wirklich nicht getan. Der angerichtete Schaden durch Verrat und Zuträgereien ist doch unermesslich . . . Ein Kollege fragt mich ein wenig vorwurfsvoll, ob ich wohl daran glaubte, mit Gesprächen über die Tätigkeit von IMs in unserem unmittelbaren Berufsumfeld die Stasi-Vergangenheit der DDR aufarbeiten zu können. Ja, ich glaube schon, denn es geht um gestörte Beziehungen, und Klärung ist zumindest der Versuch zu lernen, wieder ohne Vorbehalt und ohne Verleugnung zueinander zu finden. Und das geht nur mit Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Und die Wahrheit hat einen Namen und eine Hausnummer.
Dr. med. Hans-Peter Foertsch, Bickbeerngrund 2, 29614 Soltau
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