ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006Ärzte als IM: Verharmloste Darstellung
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LNSLNS Diese Artikel über „Im Dienste der Staatssicherheit“ sind immer weniger erträglich für jemanden, der bespitzelt und von solchen „Kollegen IMs“ drangsaliert wurde, das ist jedenfalls mein Erleben. Es ist mir klar, dass Sie bei diesen Befragungen und „Geständnissen“ keine Wertung vornehmen wollen und auch nicht können. Aber ich habe auch den Eindruck, dass Sie – ohne es zu bemerken – in eine Art Verharmlosungsdarstellung gelangen, wie sie Ihnen von diesen befragten IMs vorgegeben wird . . . Wenn man liest, dass einer der Bespitzelten „Chefarzt geworden“ ist und eine andere Bespitzelte „noch immer in demselben Krankenhaus tätig“ ist, dann wird der Unkundige denken: „Na, also so groß kann der Schaden ja gar nicht gewesen sein, den diese IMs verursacht haben sollen.“ . . . Wenn jemand, der das alles nicht erlebt hat, solchen Artikel liest, wird er denken: „Na ja, es ging um das Krankenhaus, und es ging um das Gesundheitswesen in der DDR, das war ja wohl auch kritikwürdig, nicht um Patienten, und der Stasi-Offizier war ein angenehmer Zeitgenosse, umgänglich, und wem ist denn der Drill bei einer Armee nicht zuwider, kann man ja verstehen, der hat sich einfach nur unterhalten mit dem Stasi-Offizier, und manchen Bericht hat er sogar bisschen positiv gefärbt, netter Mensch, dieser Dr. Schmidt, was da heute für ein Aufhebens gemacht wird um diese IMs, waren eben menschliche Unzulänglichkeiten, gibt es ja nicht zu selten, und dann hat man den nach 1989 sogar entlassen, fristlos gekündigt, musste sich durchschlagen, so was auch.“ In dem Artikel heißt es: Seine Stasi-Akte kennt er bis heute nicht. Ich frage mich, warum sollte er sich denn dafür interessieren? Vielleicht würde er sich dann tatsächlich schämen und es nicht nur behaupten . . .
Dr. med. Mahnolf Roßner,
Nordstraße 17 a, 59555 Lippstadt
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