ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006Ärzte, Ingenieure und städtische Gesundheit. Medizinische Theorien in der Hygienebewegung des 19. Jahrhunderts

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Ärzte, Ingenieure und städtische Gesundheit. Medizinische Theorien in der Hygienebewegung des 19. Jahrhunderts

Hardy, Anne I.

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Nachahmenswert
Anne I. Hardy: Ärzte, Ingenieure und städtische Gesundheit. Medizinische Theorien in der Hygienebewegung des 19. Jahrhunderts. Kultur der Medizin, Band 17, Campus Verlag, Frankfurt/Main, New York, 2005, 414 Seiten, 45 €
Komplexe Zusammenhänge erfordern ein fächerübergreifendes Vorgehen. Was uns heute zunehmend logisch erscheint – auch wenn dies keineswegs eine zwangsläufige Umsetzung bedeutet –, war im 19. Jahrhundert ein Novum: Ärzte und Ingenieure taten sich in ihrem Versuch, die städtische Gesundheit zu verbessern, zusammen. Die lesenswerte Dissertation von Anne I. Hardy zeigt anschaulich, wie und warum es zu dieser Zusammenarbeit kam, und das zu einer Zeit, als die Wissensbestände beider Professionen noch viele Lücken aufwiesen.
Die zentrale Frage der Studie ist, in welchem Ausmaß medizinische Theorien für die Entwicklung der öffentlichen Gesundheitspflege im 19. Jahrhundert ausschlaggebend waren, also, ob und inwieweit Ärzte – und mit ihnen Ingenieure – als Experten anerkannt wurden und ob ihre Theorien bei der Vorbeugung von Seuchen umgesetzt wurden. Es geht dabei auch um die Frage, wie Expertenwissen in der Wechselwirkung von medizinischem Wissen und politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen entsteht.
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Frankfurter Ärzte Georg Varrentrapp und Alexander Spieß, die 1873 zusammen mit Ingenieuren und Verwaltungsbeamten die Gründung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege vorantrieben. Bei den Themen Nahrungsmittelgesetz, Bauhygiene, Trinkwasserqualität und Seuchenprophylaxe zeigt sich, dass die Hygieniker oftmals zwischen dem hygienisch Wünschenswerten auf der einen Seite und der Ökonomie und der technischen Machbarkeit auf der anderen Seite Kompromisse eingehen mussten. Die von ihnen angewandte Strategie – die Versachlichung strittiger Fragen, die in das Fachgebiet von Ingenieuren und Ärzten fiel – war durchaus erfolgreich. Gewonnen haben beide Professionen. Durch ihr gemeinsames Vorgehen konnten sie ihre Position als Experten aufbauen und behaupten. Ein durchaus nachahmenswertes Vorgehen also. Sylvelyn Hähner-Rombach
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