ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006Therapie des kolorektalen Karzinoms: Effektivitätssteigerung durch neue Kombination

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Therapie des kolorektalen Karzinoms: Effektivitätssteigerung durch neue Kombination

Junker, Annette

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LNSLNS Die Chemotherapie mit 5-Fluorouracil und Folinsäure (5-FU/ FA) galt lange Zeit als Standardchemotherapie bei Darmkrebs. Durch die Einführung von Oxaliplatin und Irinotecan Mitte der 90er-Jahre konnten Kombinationstherapie-Regime entwickelt werden, die – im Vergleich zu 5-FU/FA – Ansprechraten von mehr als 50 Prozent und eine Verlängerung der medianen Überlebenszeit auf 1,5 Jahre erwirken.
Generell sind die Kombinationstherapien gut verträglich. Unter Oxaliplatin kommt es zu reversiblen, peripheren sensorischen Neuropathien, deren Schweregrade mit kumulativen Dosen ansteigen. Eine Verbesserung der Verträglichkeit lässt sich durch eine sequenzielle Stop-and-go-Strategie erreichen, die auch zu langen Überlebenszeiten führt.
Diarrhöen waren lange die gefürchtete Toxizität von Irinotecan. Wissenswert für die supportive Therapie von Loperamid-resistenten Diarrhöen ist aber, dass in der Kombination Irinotecan/FU/FA eine Dosisreduktion von Fluorouracil von 2 300 mg/m2 auf 2 000 mg/m2 bereits zu einer 33-prozentigen Reduktion der Diarrhö führte (1).
Beim Vergleich der 5-FU/
FA-Kombinationen mit diesen beiden neuen Zytostatika hat sich gezeigt, dass es wichtiger ist, allen Patienten alle aktiven Kombinationen im Verlauf ihrer Gesamttherapie zukommen zu lassen, als ob die ein oder andere Kombination als Erstlinientherapie besser geeignet ist. So hat eine multivariate Analyse gezeigt, dass nur die Therapie mit allen drei Zytostatika das Überleben signifikant beeinflusst (p = 0,001), nicht aber der Gebrauch einer der Zweierkombinationen in der Erstlinientherapie (p = 0,69) (2).
Eine weitere Verbesserung im Hinblick auf die relevanten Zielparameter konnte durch die Gabe der Antikörper Bevacizumab oder Cetuximab erreicht werden. Sowohl für die Kombination von Irinotecan als auch von Oxaliplatin mit den Antikörpern liegen überzeugende Studien zur Therapie des metastasierten Kolonkarzinoms vor. Unter den Experten bestand daher Einigkeit, diese teilweise schon in der First-line einzusetzen, weil potenzielle Therapieerfolge einer hochwirksamen Erstlinientherapie später im Hinblick auf ein möglichst langes Gesamtüberleben nicht wieder eingeholt werden könnten. Die aktuelle Zulassungslage hinkt den positiven Studienergebnissen jedoch hinterher.
So ist die Irinotecan-Cetuximab-Kombination beim kolorektalen Karzinom erst in der Zweitlinientherapie und die Oxaliplatin-Cetuximab-Kombination noch nicht zugelassen. Die Kombination von Oxaliplatin mit Bevacizumab und 5-FU ist zwar in den Vereinigten Staaten, nicht aber in Europa zugelassen. Im Hinblick auf die optimale Erstlinientherapie des einzelnen Patienten ist aber eine kürzlich gemachte Aussage von Prof. Axel Heyll (Leiter des Kompetenzzentrums Onkologie des MdK Nordrhein, Düsseldorf) erfreulich, dass bei entsprechenden Verordnungen auch außerhalb des Zulassungsbereichs kein wirtschaftlicher Schaden geltend gemacht werde.
In der Kombination mit dem Antikörper Bevacizumab kommt es häufiger zu Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Asthenie, tiefe Venenthrombose und Synkope, die auf die Angiogenesehemmung zurückzuführen sind. Unter den Cetuximab-Kombinationen kann ein akneähnlicher Hautausschlag auftreten. Annette Junker
Apothekerin für klinische und
onkologische Pharmazie

1. Köhne C-H et al.: J Clin Oncol 2005; 23: 4856–65.
2. Grothey A et al.: J Clin Oncol 2005; 23: 9441–2.

Symposium „Aktuelle Behandlungsstrategien bei kolorektalem Karzinom und Magenkarzinom“ anlässlich des Krebskongresses in Berlin, Veranstalter: Pfizer
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