ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006Standpunkt: Lohndumping
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LNSLNS Der Vorschlag der Arbeitgeber ist kein Angebot, sondern eine Provokation. Es ist unredlich zu behaupten, dass für Assistenzärzte monatlich 600 Euro mehr geboten wurde. Rechnet man die beabsichtigte Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit um 1,5 auf 40 Stunden, die Kürzung des Weihnachts- und Urlaubsgeldes sowie die langen Wartezeiten bis zu Gehaltserhöhungen aus dem Arbeitgeberangebot heraus, bleiben massive Einkommenskürzungen. Im ersten Berufsjahr würde beispielsweise ein 29-jähriger Assistenzarzt monatlich rund 460 Euro (minus 12,4 Prozent) an Gehalt einbüßen, im 15. Berufsjahr sogar 864 Euro (minus 15,9 Prozent). Die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA) will die Ärzte tatsächlich länger arbeiten lassen für weniger Geld. Einen dreisteren Versuch des Lohndumpings habe ich noch nicht erlebt. Der zwangsläufige Verhandlungsabbruch ist umso bedauerlicher, weil die Arbeitgeber mittlerweile erste Zugeständnisse bei den Arbeitszeiten und beim Arbeitsschutz angeboten haben. Hätte sich die VKA nicht krampfhaft an die Absenkung der Ärzteeinkommen geklammert und ein anständiges Gehaltsangebot vorgelegt, wäre der arztspezifische Tarifvertrag unter Dach und Fach. Stattdessen sieht sich der Marburger Bund nun gezwungen, die Streiks weiter zu intensivieren. Zudem werden auch Einzelverträge mit Krankenhäusern vor Ort vorangetrieben, die mit deutlich besseren Angeboten einsichtsfähiger sind als ihr Dachverband.
Lutz Hammerschlag, Tarifexperte des Marburger Bundes
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