ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006Börsebius zu Solaraktien: Gehöriger Sonnenbrand

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Solaraktien: Gehöriger Sonnenbrand

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die einen verfluchen sie, weil sie die Mistdinger nicht im Depot haben, die anderen sonnen sich anhand exorbitanter Gewinne im Scheine angeblichen Anlegerverstands, was doch nur pures Glück ist, wieder andere haben sich bereits gründlich die Finger verbrannt, weil sie zum falschen Zeitpunkt hinterhergehechelt sind: die Rede ist von Solaraktien.
Kaum eine andere Branche wurde in zahllosen Börsenstudien so in den Himmel gelobt und hat in den letzten Monaten die Börsianer jubeln, ebenso aber auch leiden lassen. Die Aktie von Solarworld etwa verwöhnte ihre Eigner mit Kurssteigerungen von mehreren Hundert Prozent, wobei so mancher Trittbrettfahrer auch schon mal von Tagesverlusten im zweistelligen Prozentbereich überfahren wurde. Die hinter der Kaufentscheidung stehende Logik scheint zwingend. Steigende Ölpreise machen alternative Energieformen zusehends attraktiver, das schwarze Gold wird immer knapper, und so viele Alternativen gibt es auch nicht. Neben der technisch schwierigen Umsetzung von Wasserstoff in Energie bietet halt außer den Windkraftwerken nur noch die Solartechnologie einen echten Ausweg, regenerative Energieformen wie Biodiesel sind noch relativ wenig vertreten. Klingt alles ganz gut, aber ist die Annahme auch richtig?
Wie so oft, wenn alle einer Meinung sind, kommt es am Ende ganz anders. Wenn ich das richtig sehe, steht der Boom in der Solarindustrie auf der Kippe. Während im letzten Jahr in Deutschland noch Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 600 Megawatt installiert wurden, dürften es heuer deutlich weniger werden. Vom Markt bisher kaum beachtet wurde eine Äußerung von Frank Asbeck, dem Chef der Solarworld AG. Seine Skepsis spricht Bände: „Wir werden in diesem Jahr in Deutschland kein Wachstum erreichen. Der Markt hat ein Plateau erreicht. “
Der Mann hat völlig Recht. Der Grund für den verhaltenen Ausblick sind vor allem happige Preissteigerungen im Vormodulbereich, und sowieso der knappe Rohstoff Silizium. Da gleichzeitig die Vergütungen für den in das öffentliche Netz eingespeisten Solarstrom jährlich um fünf Prozent sinken, schrumpfen die Margen somit bedenklich. Die Aktienkurse der Solaraktien reflektivieren diese Zangenbewegung meiner Meinung nach noch völlig unzureichend. Eine Halbierung der Werte scheint mir durchaus im Bereich des Erreichbaren zu liegen. Wer demnach nicht die Finger von Solaraktien lässt, kann sie sich gehörig verbrennen. N

Leserservice:
Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 5. August 2006 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wählen Sie bitte die 02 21/98 54 80-17. Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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