ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2006Freudsche Versprecher: „Er sagt seine Meinung – ich sage seine Meinung“

VARIA: Post scriptum

Freudsche Versprecher: „Er sagt seine Meinung – ich sage seine Meinung“

Dtsch Arztebl 2006; 103(30): [140]

Ellermann, Bernd

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Foto: dpa
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Sigmund Freud, dessen Geburtstag sich am 6. Mai dieses Jahres zum 150. Mal jährte, hat wie wenige andere Wissenschaftler unsere Sicht der Welt geprägt. Seine Erkenntnisse haben, wenn auch oft missverstanden, auf vielfältige Weise Einzug in unseren Alltag genommen: Besonders amüsiert man sich über die „Freudschen Versprecher“.
Gut in Erinnerung ist es noch den TV-Sehern, als Edmund Stoiber Sabine Christiansen mit „Frau Merkel“ ansprach. Ein ähnliches Malheur passierte dem Moderator Reinhold Beckmann, als er in seiner Talkshow Alice Schwarzer mit „Frau Merkel“ begrüßte. Schon Alt-Kanzler Helmut Kohl rutschte ein Lapsus linguae heraus – mit seinem Ausspruch: „Wir haben ein gutes Koalitionsklima, wenn wir pfleglich miteinander untergehen.“ Freudsche Versprecher dieser Art aus politischem Munde sind immer riskant, weil auch die Medien Munition bekommen. Und als die Bundeskanzlerin Angela Merkel mal brutto und netto verwechselte, wurde daraus eine Steilvorlage für den politischen Gegner.
Ein Provinz-Politiker sprach einst vom „Kursanatorium Unheilbares Deutschland“. Die Krone der Freudschen Versprecher liefert jedoch in einem Live-Interview des Bayerischen Rundfunks der Münchener Ex-Oberbürgermeister Georg Kiesl. Er wurde da gefragt, ob er Differenzen mit dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß habe. Kiesl wörtlich: „Nein, wir haben keine Differenzen, wenn wir zusammenkommen, ist es so: Er sagt seine Meinung, und ich sage seine Meinung. . .“
Die Sport-Moderatorin Carmen Thomas verlor ihren Job beim ZDF, weil sie einst die Fußballkünste von „Schalke 05“ rühmte. Das gleiche Schicksal erlitt jetzt der amerikanische Radiojournalist Dave Lenihan, dem im Zusammenhang mit US-Außenministerin Condoleeza Rice ein „slip of tongue“ passierte, wie es drüben heißt. Er wollte von einem „big coup“ sprechen, sagte aber dummerweise „a big coon“. Das bedeutet im Umgangston „ein großer Neger“ – und das Ende seiner Rundfunkkarriere. Aber auch Rice selbst leistete sich einen Freudschen Aussetzer. In einer Pressekonferenz sagte sie: „I told this to my husb. . . äm. . . my president…“ Bernd Ellermann
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