ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2006Prävention: Im Raucherparadies

SEITE EINS

Prävention: Im Raucherparadies

Dtsch Arztebl 2006; 103(31-32): A-2069 / B-1781 / C-1725

Blöß, Timo

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Kommt es bald, das Raucherschutzgesetz? Seit einigen Wochen debattiert die Politik nun schon darüber, wie man Nichtraucher effektiv vor dem Passivrauchen schützen kann. Je konkreter allerdings die Planungen werden, desto mehr scheint aus dem Nichtraucherschutzgesetz ein Gesetz zum Schutze der Raucher zu werden.
Als Patron der Passivraucher will Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) ein Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen durchsetzen. Über ein Verbot in Kneipen und Restaurants – also über das Herzstück eines effektiven Schutzes – müsse aber noch einmal diskutiert werden, so Seehofer. Ähnlich sieht das Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch sie zögert, das Verbot auf Bars und Restaurants auszuweiten.
Dass die Politik den Tabakkonsum nicht vollends im öffentlichen Raum verbieten will, verwundert wenig, verdient der Staat mit der Tabaksteuer doch jährlich 14 Milliarden Euro, 5,5 Prozent des Bundeshaushaltes. Neben sinkenden Steuereinnahmen fürchten die Skeptiker, den Umsatz in der Gastronomie zu schmälern und Wähler zu verprellen. Ein Blick ins Ausland zeigt, dass das nicht so sein muss. Bevor 2004 in Irland das Rauchverbot eingeführt wurde, waren 46 Prozent der Iren für das Gesetz, mittlerweile befürworten es 96 Prozent. In Italien ist der Zuspruch von 83 auf 90 Prozent gestiegen. Zugleich haben dort nur 13 Prozent der Gastwirte bemerkenswerte Einbußen erlitten.
Um ein verbindliches Gesetz zu verhindern, will der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband die Nichtraucher mittels einer freiwilligen Selbstverpflichtung schützen. Das Ziel, dass bis März 2006 mindestens 30 Prozent der in dem Verband organisierten größeren Speisebetriebe knapp ein Drittel der Plätze für Nichtraucher reservieren, habe man erreicht. Dabei hat der Verband, zu dem gerade mal jeder dritte Gastronomiebetrieb der Branche gehört, nur wenige Einrichtungen befragt und deren Angaben nicht kontrolliert, wie der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, zu Recht bemängelte. Freiwillige Vereinbarungen, so Hoppe, führten darum nicht weiter.
Deswegen braucht es ein Gesetz, das klar und eindeutig aufzeigt: Aktiv- und Passivrauchen sind gefährlich, und – ja! – Raucher werden ausgegrenzt, weil sie sich und anderen schaden. Timo Blöß
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema