ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2006Hirntumoren: Gliome – Herpesviren sind „freigesprochen“

AKTUELL: Akut

Hirntumoren: Gliome – Herpesviren sind „freigesprochen“

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Nachdem US-Forscher die zur Gruppe der Herpesviren gehörenden Zytomegalie-Viren in einer Vielzahl von malignen Hirntumoren nachgewiesen hatten, rückten diese Viren in den Fokus von Tumorvirologen. Seither werden Herpesviren verdächtigt, an der Entstehung von Gliomen, dem häufigsten Hirntumor bei Erwachsenen, beteiligt zu sein – eine Annahme, die unter Wissenschaftlern allerdings umstritten ist. Jetzt lieferte das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg den Beweis für die Skepsis. Um herauszufinden, ob Zytomegalie-Viren an der Entwicklung von Hirntumoren beteiligt sind, wurden Gewebeproben aus Hirntumoren von 77 Patienten analysiert. Dabei wählten die Forscher unterschiedliche Methoden, um mögliche Fehlerquellen auszuschließen. Weder die Polymerasekettenreaktion noch der immunologische Nachweis von Viruspartikeln im Tumorgewebe lieferten Hinweise auf eine Zytomegalie-Virus-Infektion.

Um den Widerspruch zu den Ergebnissen der amerikanischen Kollegen aufzuklären, gingen die Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums der Frage nach, ob eine Verunreinigung der Tumorproben mit Virus-infizierten Blutzellen zu einer Fehlinterpretation geführt haben könnte. Doch auch in den Blutproben der Patienten war kein Virus nachweisbar. In einem weiteren Ansatz wurde der Zusammenhang zwischen bereits zurückliegenden Virusinfektionen (Antikörper-Nachweis) und dem Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken, untersucht.

Da Zytomegalie-Viren nicht die einzigen Herpesviren sind, die mit Gehirntumoren in Verbindung gebracht werden, schlossen die Wissenschaftler drei weitere Vertreter dieser Gruppe (Herpes simplex, Varizella-Zoster und Epstein-Barr) in ihre Analyse mit ein. Die Blutproben zahlreicher Patienten enthielten zwar Antikörper gegen Herpesviren als Beweis für eine zurückliegende Infektion. Die Häufigkeit einer Herpesvirus-Infektion lag bei den Hirntumorpatienten jedoch nicht höher als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Eine Beteiligung von Herpesviren an der Entstehung von primären Hirntumoren ist demzufolge als sehr unwahrscheinlich anzusehen. zyl
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