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Dtsch Arztebl 2006; 103(31-32): A-2084 / B-1794 / C-1739

Böhmeke, Thomas

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Es gibt auch wunderschöne Augenblicke im Dasein eines niedergelassenen Arztes. Eine überaus attraktive junge Dame sitzt mir gegenüber, verführerisch umweht von einem olfaktorisch polyvalenten, in jedem Falle sinneraubenden Parfum, das augenblicklich zur Malazie meiner Röhrenknochen führt. Der mascara-umsäumte Augenaufschlag betört meine angeschlagene ärztliche Seele genau wie ihr Anliegen, das sie mir in feinst gedrechselten Worten vorträgt: „Herr Doktor Böhmeke, man hört NUR Gutes über Sie!“ Ach, welche Worte der Wahrheit. „Dass Sie so unglaublich belesen und intelligent sind, muss einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden!“ Mein Reden, mein Reden! Man darf sich nicht nur in der Sprechstunde verkriechen, sondern auch als öffentliche Person präsent sein. „Man sagt sogar, Sie seien sogar ein äußerst erfolgreicher Schriftsteller!“ Hüstel, hüstel . . . darüber gibt es zwar stark dissoziierende Meinungen, aber wenn sie das so sieht, will ich mich gezwungenermaßen dieser Auffassung äußerst gerne anschließen . . . „Herr Doktor Böhmeke, wir müssen unbedingt Ihre Leistungen landesweit, nein! bundesweit wirkungsvoll in Szene setzen! Ihnen, Herr Doktor Böhmeke, gebührt ein Ihrer Persönlichkeit entsprechender Auftritt in den Printmedien. Ich kann mir für Sie nur die besten Zeitschriften und Magazine vorstellen, zu denen sonst nur ausgesuchte Opinion Leaders Zugang haben.“ Ehrlich? Opinion Leader? Ja, das wäre wirklich schön, wenn man sich endlich einmal am richtigen Ort in der entsprechenden Weise gewürdigt sehen würde . . . „Nutzen Sie hierfür unseren internationalen Beraterstab!“ Ach, was brauche ich einen Berater, ich weiß doch sowieso schon alles. „Unsere Design Manager werden Sie in das absolut rechte Licht rücken.“ Oh, wie schön. Vielleicht können die am Computer auch etwas gegen die spärliche Hauptbehaarung tun? „Aber selbstverständlich! Wir bieten für unsere fünfstelligen Honorare exquisite Leistungen, die jeden erdenklichen Wunsch erfüllen. In wunderbaren Anzeigen wird für Ihre Praxis und Ihre Leistungen geworben! Tausende Patienten werden begeistert sein, Ihre Praxis ist in aller Munde, man wird Ihnen die Tür einrennen . . .“
Was? Noch mehr Patienten?! Wo wir die letzten drei Wochen des Quartals sowieso umsonst arbeiten?! Und wegen der Budgetierung nur noch Magermedizin drin ist?! Und die Privaten die Rechnungen auch nicht mehr bezahlen?! Hat die Tussi denn einen Sprung in der Schüssel?
RAUS! Dr. med. Thomas Böhmeke
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