ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2006Praktisches Jahr: Ausbildungssituation enorm verschlechtert

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Praktisches Jahr: Ausbildungssituation enorm verschlechtert

Dtsch Arztebl 2006; 103(31-32): A-2099 / B-1808 / C-1750

Priesack, Wolfhart

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LNSLNS Ende 2000 versuchte eine Hand voll Kieler Ärzte, durch Einklagen der europäischen Arbeitszeitnorm unzumutbare Arbeitsbedingungen in ihrem Krankenhaus grundlegend zu ändern. Ziel war es unter anderem auch, die unbefriedigende Ausbildungssituation für die jungen Ärztinnen und Ärzte zu verbessern . . . Inzwischen hat sich die Ausbildungssituation für den ärztlichen Nachwuchs in den Krankenhäusern dramatisch verschlechtert. Durch die politisch verordnete Budgetierung gezwungen, wurde weiter ärztliches Personal eingespart. Gleichzeitig stiegen die Versorgungsleistungen, und immer weitere bürokratische Verordnungen führten zu einer enormen Arbeitsverdichtung. Unter diesem finanziellen und zeitlichen Druck hat sich notgedrungen eine absurde Arbeitsteilung vollzogen: Chef-, Ober- und alterfahrene Fachärzte erledigen im Akkord die notwendige Funktionsdiagnostik, dicht gedrängte Operationsprogramme werden fast nur noch mit studentischen Hilfskräften abgearbeitet, um die geforderten Fallquoten erfüllen zu können. Zumeist allein gelassen auf den Stationen mühen sich währenddessen die PJ-Studenten und jungen Facharztanwärter mit der Erledigung einer grotesk aufgeblähten Bürokratie und stupiden Routinearbeiten ab. Selbst freiwilliges „learning by doing“ – natürlich unbezahlt und in der Freizeit – ist kaum mehr möglich. Noch kann die Mehrzahl der Krankenhäuser eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung vorhalten. Aber die Riege der erfahrenen Ärzte ist überaltert und tritt in Kürze ab, viele aus Frust vorzeitig. Dann wird sich der jetzt schon spürbare Facharztmangel dramatisch verschärfen. Die Folgen dieser desolaten Ausbildungssituation, mangelhaftes Können und fehlende Erfahrung in wichtigen Untersuchungstechniken und Behandlungsverfahren, sind vorhersehbar . . .
Dr. med. Wolfhart Priesack, Wehdenweg 41, 24148 Kiel
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