ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2006Psychotherapie: Minderwertige Therapeuten
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LNSLNS Herzlichen Dank für den engagierten Einsatz für uns ärztliche Psychotherapeuten. Sie schreiben sehr richtig, dass man psychisch kranke Menschen nicht stigmatisieren darf. Das muss aber auch für ärztliche Psychotherapeuten gelten. In einer Gesellschaft, in der sich der Wert eines arbeitenden Menschen an der Höhe seines Lohnes orientiert, werden wir als minderwertige Therapeuten stigmatisiert. Ich habe bereits 1978 in medizinischer Psychologie promoviert und habe nach 16-jähriger hausärztlichen Tätigkeit in einer großen Landpraxis vier Jahre lang meine gesamte, sehr knapp bemessene Freizeit in eine Zusatzausbildung als Psychotherapeut investiert, weil ich der Meinung war, damit meine psychisch kranken Patienten optimal behandeln zu können. Inzwischen behandle ich nur noch dringende Notfälle, die bei den Herrschaften von der psychologischen Fraktion erst in einigen Monaten einen Termin bekommen. Wenn die Talfahrt unserer Honorare so weitergeht, stellt sich ernsthaft die Frage, ob es nicht lukrativer ist, die Praxis selbst zu putzen statt Psychotherapie anzubieten, da der Stundenlohn der Putzfrau höher ist als der unsrige.
Dr. Kurt Kissinger, Ottweilerstraße 2 b, 66557 Illingen
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