ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1997Potentiell toxische Schwermetalle als Therapeutikum in der Homöopathie

MEDIZIN: Diskussion

Potentiell toxische Schwermetalle als Therapeutikum in der Homöopathie

Forth, Wolfgang; Friese, Karl-Heinz; Anschütz, Martin

Zu dem Kommentar von Prof. Dr. med. Wolfgang Forth in Heft 37/1996
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LNSLNS Genaue Dosisangabe überflüssig und verwirrend
Prof. Forth fordert in seinem Artikel, daß Hersteller von homöopathischen Einzelmitteln die exakte Dosis des stofflichen Bestandteils deklarieren. Dies erscheint mir völlig überflüssig. Es würde nur zur allgemeinen Verwirrung beitragen. Die Zulassung und Registrierung homöopathischer Arzneimittel erfolgt durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte in Berlin in Zusammenarbeit mit der Arznei­mittel­kommission. Als Mitglied dieser Kommission kann ich dazu äußern, daß sämtliche zugelassenen oder registrierten Arzneimittel einer toxikologischen Prüfung unterzogen worden sind. Dies wird im Rahmen des jetzigen Nachzulassungsverfahrens auch genau beachtet. Es werden keinerlei Arzneimittel zugelassen, bei denen toxische Konzentrationen, zum Beispiel eines Schwermetalls, vorliegen. Aus Sicherheitsgründen geht man meistens sogar ein bis zwei Potenzstufen darüber hinaus. Außerdem werden in der Beurteilung jeweils unrealistische Megadosen zugrunde gelegt, die normalerweise in der Homöopathie überhaupt keine Verwendung finden.
Was würde eine Angabe nützen, daß in einem Arzneimittel zum Beispiel 15 Pikogramm Arsen enthalten sind? Der Normalverbraucher kann mit einer derartigen Zahl überhaupt nichts anfangen und hat letztendlich nur Angst, daß er durch diese Dosis möglicherwise belastet wird. Wie sollte die Deklaration von Hochpotenzen aussehen? Bei Arsenicum album D30 beispielsweise ist ja keine stoffliche Konzentration mehr vorhanden. Soll in diesem Fall daraufstehen, daß nichts drin ist? Dies ist so ja nicht korrekt, da das Mittel immer noch eine Arzneimittelwirkung hat und eben auch etwas drin ist, eben nur nicht substanziell. Die jetzige Regelung zur Kontrolle der homöopathischen Arzneimittel und auch der Deklaration hat sich ausgezeichnet bewährt und sollte unbedingt so beibehalten werden.


Dr. med. Karl-Heinz Friese
Hals-Nasen-Ohrenarzt
Marktplatz 3
71263 Weil der Stadt


Lösung einfach
Der Autor beklagt sich, daß auch der erfahrene Arzt die Quecksilberkonzentration von Mercurius cyanatus Urtinktur nicht nachvollziehen kann. Man kann Mercurius cyanatus auch nicht im Homöopathischen Arzneibuch finden. Anstelle eigener vergeblicher Literaturstudien hätte der Autor nur eine der zahlreichen Münchner Apotheken aufsuchen müssen. Jede deutsche Apotheke hat ein Synonymverzeichnis, aus dem zu erfahren ist, daß Mercurius cyanatus unter Hydragyrum cyanatum im Homöopathischen Arzneibuch zu finden ist. Da jede deutsche Apotheke ein Homöopathisches Arzneibuch nach Apothekenbetriebsordnung besitzen muß, hätte der Autor erfahren, daß die niedrigste Potenz (D2) und damit Urtinktur zwischen 0,95 und 1,05 Prozent Hg(CN)2 enthält.


Apotheker Dr. med. Martin Anschütz
Rathausplatz 20
37120 Bovenden


Schlußwort
Zum Beitrag von Dr. Friese
Herr Friese geht fehl in der Annahme, daß ich etwa die Absicht gehabt habe, homöopathische Therapieverfahren zu kommentieren oder gar zu empfehlen. Mir ist es darum gegangen, für den normalen, durchschnittlich gebildeten Arzt eine Orientierungshilfe zu geben, wenn er denn in die Situation gerät, über mögliche Gefahren durch Schwermetallgehalte in Homöopathika Auskunft zu geben. Und genau für diese Situation ist die exakte Dosisangabe, wie sie unter naturwissenschaftlich gebildeten, lege artis ausgebildeten Ärzten üblich ist, dann auch eine unabdingbare Notwendigkeit. Das wird dann auch in den zukünftigen Registrierverfahren sicherlich eine wichtige Rolle spielen. Es ist auch eine Fehleinschätzung, wenn Herr Friese meint, daß mit den metrischen Angaben über die Gehalte von Metallen und Metalloiden in Homöopathika der Normalverbraucher nichts anfangen könnte. Man kann sich dann ja an den Konzentrationen orientieren, die weltweit als ungefährlich erachtet werden.
Schließlich ist den Homöopathen ans Herz zu legen, ihren Umgang mit Hochpotenzen eben in dieser Hinsicht zu verifizieren. Ich bestehe gar nicht darauf, daß bei Hochpotenzen dann der lapidare Satz angefügt werden müsse, chemisch-physikalisch sei gar nichts drin: Das ist falsch. Bis Femto-Gramm läßt sich ja ohne weiteres auch mit einem Grundschüler noch verhandeln, und im übrigen könnte ja die Loschmithsche Zahl aus der Verdrückung helfen, während ich mich ohne weiteres damit zufrieden geben würde, wenn die metrischen Angaben der Urtinktur und dann der Verdünnungsgrad, allerdings nicht in D-Einheiten, angegeben würden.


Zum Kommentar von Dr. Anschütz
Herrn Dr. Anschütz ist sehr zu danken, aber hier unterliegt er ebenfalls einem Mißverständnis. Ich kann mir nicht vorstellen, daß man beim Allgemeinarzt, der niedergelassen ist, eine so weit verbreitete Kenntnis des Synonyma voraussetzen darf wie etwa bei Apothekern oder auch bei Pharmakologen. Wenn als Inhaltsangabe "Mercurius cyanatus" firmiert, dann möchte man halt sicherstellen, daß der Verbraucher nicht etwa unter "Hydragyrum cyanatum" nachsehen muß. So einfach ist das. Merke: Es zahlt sich à la longue nicht aus, wenn man, nur um den Apotheker befragen zu müssen, zuvor Nebel legt.


Prof. Dr. med. Wolfgang Forth
Vorstand des Walther-Straub-Instituts für Pharmakologie und Toxikologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Nußbaumstraße 26
80336 München

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