ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2006EGF-Rezeptorenblocker: Eine neue Option bei Kopf- und Halstumoren

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EGF-Rezeptorenblocker: Eine neue Option bei Kopf- und Halstumoren

Junker, Annette

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LNSLNS In Europa erkranken jährlich etwa 100 800 Menschen an Kopf- und Halskarzinomen, beinahe 40 000 sterben daran. Bei 90 Prozent handelt es sich um Plattenepithelkarzinome, von denen fast alle den für das Tumorwachstum kritischen epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) exprimieren. Mehr als 50 Prozent der Erkrankten befinden sich zum Zeitpunkt der Diagnose schon in einem fortgeschrittenen Stadium. Operation, Bestrahlung und Chemotherapie, beziehungsweise eine Kombination daraus, waren bis jetzt die zur Verfügung stehenden Therapieoptionen.
Cetuximab ist der erste monoklonale Antikörper, der gezielt den epidermalen Wachstumsfaktor blockiert. Nach der Erstzulassung als Erbitux® durch die europäische Arzneimittelagentur EMEA für die Behandlung metastasierter kolorektaler Karzinome, ist eine weitere für die Indikation Kopf- und Halstumoren erfolgt, da diese den EGF-Rezeptor noch häufiger exprimieren.
Die Zulassung für lokal fortgeschrittene Plattenepithelkarzinome des Kopfes und Halses stützt sich auf die Ergebnisse einer internationalen Phase-III-Studie an 424 Patienten (1). Die Kombination von Cetuximab und Strahlentherapie erhöhte im Vergleich zur Strahlentherapie allein die mediane Überlebenszeit um 19,7 Monate (49,0 versus 29,3 Monate) und die mediane Dauer bis zum lokoregionalen Versagen um 9,5 Monate (24,4 versus 14,9 Monate). Diese Ergebnisse stützen sich auf die Analyse eines unabhängigen Prüfungsausschusses.
Cetuximab wird darüber hinaus bei dieser Indikation auch als Monotherapie und als Kombination mit platinbasierter Chemotherapie, die zurzeit als Standardchemotherapie gilt, untersucht. In der Monotherapie bei Patienten, bei denen eine Chemotherapie vorher versagt hatte, kam es zu einer Verlängerung des medianen Überlebens von 3,4 auf 5,9 Monaten (2). Bei der Studie, in der die Kombination mit platinbasierter Chemotherapie getestet wurde, zeigte sich kein relevanter Unterschied zwischen der Monotherapie mit dem Antikörper und der Kombination mit der Chemotherapie.
In der Monotherapie kommt es zu Ansprechraten von zehn bis 13 Prozent und einem medianen Überleben von 5,2 bis 6,1 Monaten. Die Wirksamkeit der Kombination von Cetuximab und Platin war vergleichbar mit der Wirkung der Cetuximab-Monotherapie, gefolgt von Platin bei Progression.
Eine Nebenwirkung des Antikörpers ist akneartiger Hautausschlag (rash), wobei dieser in Kombination mit der Chemotherapie häufiger auftrat.
Die Testung des Rezeptorstatus ist insofern problematisch, als mindestens 40 000 bis 60 000 Rezeptoren vorhanden sein müssen, um überhaupt nachweisbar zu sein, und deren Aktivität damit noch nicht bewiesen ist. Nach Ansicht von Prof. Dr. med. Hansjochen Wilke (Essen) ist ein Therapieversuch mit Cetuximab viel effektiver für den Nachweis der Wirksamkeit als eine Rezeptortestung, zumal Kopf-/Halstumoren den EGF-Rezeptor zu 90 Prozent überexprimieren.

Literatur
1. N Engl J Med 2006; 354: 567–78.
2. Proc Am Soc Clin Oncol 2005; 16S: 5505, Suppl Part I off II.

Annette Junker
Apothekerin für klinische und
onkologische Pharmazie

Pressekonferenz „Targeted Therapies im Fokus: Cetuximab bei der Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren“ anlässlich des Deutschen Krebskongresses in Berlin, Veranstalter: Merck Pharma
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