ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2006Bronchialkarzinom: Überlebensvorteile durch Erlotinib

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Bronchialkarzinom: Überlebensvorteile durch Erlotinib

Vetter, Christine

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LNSLNS Mit dem Prinzip der „Targeted Therapy“ wird versucht, gezielt Veränderungen der Tumorzellen zu nutzen, um diese zu attackieren. Dass die neue Strategie klinische Vorteile hat, belegt nach Aussage von Dr. med. Ulrich Gatzemeier (Großhansdorf) das Beispiel des Wirkstoffs Erlotinib, eines niedermolekularen Tyrosinkinasehemmers, der sich in den bisherigen Studien vor allem beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) als wirksam erwiesen hat.
Das dokumentiert neben den Phase-III-Studien ein aktuelles „Expanded Access Program“, bei dem Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC – die mindestens einen Zyklus einer Chemo- oder Radiotherapie erhalten hatten, die Therapie aber nicht fortsetzen konnten – die Möglichkeit zur Behandlung mit Erlotinib gegeben wurde.
Weltweit nahmen 5 176 Patienten in 53 Ländern an dem als offene, nicht randomisierte Studie angelegten Prüfprogramm teil, in Deutschland waren es mehr als 1 200 Patienten. Bei 65 Prozent konnte nach Angaben des Onkologen durch den Tyrosinkinasehemmer eine Stabilisierung oder sogar eine partielle Remission des Tumorleidens gesehen werden: Es habe sich eine bessere Symptomkontrolle erwirken lassen, eine längere Zeit bis zur Tumorprogression und auch insgesamt ein längeres Überleben der Patienten.
Dies sei aber nicht durch Nebenwirkungen, wie sie bei der klassischen Chemotherapie häufig seien, erkauft worden. Als Hauptbegleitwirkungen unter dem „small molecule“ nannte der Wissenschaftler einen Hautausschlag (rash) sowie Durchfälle, wobei die Mehrzahl der Reaktionen mild bis moderat und gut beherrschbar gewesen sei.
Das „Expanded Access Program“ bestätigt Beobachtungen aus den Phase-III-Studien, in denen ebenfalls Überlebensvorteile unter Erlotinib gesehen worden waren. So war das mittlere Überleben von 4,7 Monaten unter Placebo auf 6,7 Monaten unter Erlotinib gesteigert worden, und die Einjahresüberlebensrate nahm von 21 auf 31 Prozent zu.
Gatzemeier bewertet Erlotinib vor dem Hintergrund der vorliegenden Daten als eine wirksame Option in der Second-line-Therapie beim nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom, das den Patienten eine gute Symptomkontrolle und zugleich Überlebensvorteile sichert. Dies betrifft wahrscheinlich nicht nur das NSCLC, sondern auch andere Tumoren, wie Prof. Dr. med. Hans-Joachim Schmoll (Halle) darlegte. Er stellte neue Daten vor, die auch beim fortgeschrittenen Pankreaskarzinom auf Überlebensvorteile hindeuten. Christine Vetter

Symposium „Targeted Therapies“ beim NSCLC: Tarceva® und anti-angiogene Therapie – Neue Meilensteine in der Krebstherapie“ anlässlich des 27. Deutschen Krebskongresses in Berlin, Veranstalter: Hoffmann-La Roche
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