ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2006Der Harnsteinbildung auf der Spur

VARIA: Computer

Der Harnsteinbildung auf der Spur

Dtsch Arztebl 2006; 103(31-32): A-2125 / B-1832 / C-1773

EB

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Die Röntgenaufnahme zeigt eine extreme Steinbildung in beiden Nieren. Beide Nierenhohlräume wurden innerhalb eines Jahres nahezu vollständig von Steinmaterial ausgefüllt. Abbildung: Urologische Klinik
Die Röntgenaufnahme zeigt eine extreme Steinbildung in beiden Nieren. Beide Nierenhohlräume wurden innerhalb eines Jahres nahezu vollständig von Steinmaterial ausgefüllt. Abbildung: Urologische Klinik
Harnsteine verursachen große Schmerzen. Ein Ziel der Behandlung ist es daher, die Entstehung neuer Steine zu verhindern. Häufig jedoch schlägt die Therapie fehl, weil der Arzt nicht genau weiß, welche Faktoren die Harnsteinbildung ausgelöst haben. Ein Grund: Urinuntersuchungen sind nicht immer aussagekräftig; wenn ein Stein erst einmal wächst, verändert er teilweise die Harnzusammensetzung erheblich. Wissenschaftler der Bonner Klinik und Poliklinik für Urologie, Abteilung Experimentelle Urologie, haben jetzt ein Computerprogramm entwickelt, das aus Wachstumsrate und Art des Steins die Zusammensetzung des Urins vor Beginn der Kristallisation berechnet. Für ihre Entwicklung wurden sie mit dem „Paul-Mellin-Preis 2006“ der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie ausgezeichnet.
Die Ursachen der Steinbildung sind vielfältig. Eine genetische Veranlagung bildet in der Regel den Hintergrund der Erkrankung, Auslöser ist häufig eine unangepasste Ernährung. So kann der Genuss von Lebensmitteln, die viel Oxalsäure enthalten (wie etwa Spinat), die Steinbildung fördern. Im Urin kann sich diese Säure mit Kalzium zu unlöslichem Kalziumoxalat verbinden, das sich am wachsenden Stein ablagert, während gleichzeitig das Oxalat aus dem Harn verschwindet und sich dort nicht mehr nachweisen lässt.
Um die Harnzusammensetzung vor Beginn der Kristallisation zu ermitteln, berechnet das Computerprogramm aus zwei im Abstand von einigen Wochen aufgenommenen Röntgen- oder Ultraschallaufnahmen die Volumenzunahme je Zeiteinheit. Aus der jeweiligen Patientenhistorie weiß der Arzt zudem, wie die Zusammensetzung früherer Steine war. Aus diesen Parametern sowie dem Urinfluss durch die betroffene Niere lässt sich berechnen, wie viel von welcher Substanz der Stein pro Zeiteinheit bindet – und wie dieser Effekt die Harnanalyse verfälscht.
Der Arzt erhält dadurch eine korrigierte Harnanalyse, die ihm hilft, den Ursachen der Steinbildung auf die Spur zu kommen. Das Verfahren ist einfach und kostengünstig. Bei Patienten, die häufig unter Harnsteinen leiden und auf eine Therapie nicht ansprechen, ermöglicht es Rückschlüsse auf die Ursachen. EB

Kontakt: Dr. med. Norbert Laube, Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Bonn, Telefon: 02 28/2 87 91 06, E-Mail: norbert.laube@ukb.uni-bonn.de
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