ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2006Misserfolge und Abbrüche in der Psychotherapie. Erkennen – Vermeiden – Vorbeugen

BÜCHER

Misserfolge und Abbrüche in der Psychotherapie. Erkennen – Vermeiden – Vorbeugen

Lutz, Wolfgang; Kosfelder, Joachim; Joormann, Jutta

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Therapiemisserfolge: Ohne Anklage, ohne Verurteilung
Wolfgang Lutz, Joachim Kosfelder, Jutta Joormann (Hrsg.): Misserfolge und Abbrüche in der Psychotherapie. Erkennen – Vermeiden – Vorbeugen. Verlag Hans Huber, Bern, Göttingen u. a., 2004, 244 Seiten, 17 Abbildungen, 13 Tabellen, kartoniert, 29,95 €
Die Auseinandersetzung der Psychotherapie mit Misserfolgen und Abbrüchen tut nach wie vor Not. Nur selten stellen sich Psychotherapieforscher und praktizierende Psychotherapeuten den Schattenseiten ihres Berufs. Dass aber gerade aus dem, was nicht funktioniert oder sogar misslingt, mehr gelernt werden kann als aus reibungslosen Abläufen, zeigt sich in vielerlei Hinsicht in diesem Buch.
Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil mit der Überschrift „Wissenschaftliche Grundlagen und Qualitätssicherung“ stellen Psychotherapieforscher dar, wie Misserfolge in Psychotherapien definiert, operationalisiert und gemessen werden. Beispielsweise werden Kriterien für den Therapieerfolg benannt, Leitlinien und Manuale vorgestellt und Vorhersagemodelle erläutert. Anhand einer Studie wird Schritt für Schritt aufgezeigt, wie ungünstige von erfolgreichen Therapieverläufen in der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung von Angststörungen frühzeitig differenziert werden können.
Der erste Teil bietet einen Einstieg in die Thematik und ermöglicht einen Überblick über grundlegende Fragestellungen und Methoden. Darüber hinaus informiert er über neuere Entwicklungen und aktuelle Forschungsprojekte, in denen Misserfolge und Therapieabbrüche in Psychotherapien objektiv und systematisch untersucht werden. Dem Praktiker liefert dieser Teil einen theoretischen Hintergrund, allerdings keine konkreten Anweisungen, wie er selbst ungünstige Therapieverläufe bei seinen Patienten rechtzeitig erkennen kann.
Auch der zweite Teil des Buches liefert eher Denkanstöße als direkt umsetzbare Hilfestellungen. Unter der Überschrift „praktische Anwendungen“ werden sehr unterschiedliche Facetten des Themas präsentiert. So reflektiert ein Kapitel über die Gründe für mangelnde Therapiemotivation von Patienten, andere Kapitel beleuchten Therapiemisserfolge aus der Perspektive der Emotionsregulation und aus der Sicht eines Therapeuten, Supervisors und Gutachters. Schließlich finden sich auch Überlegungen, wie schwierige Interaktionssituationen gemeistert und die erste Therapiephase bei der Therapie einer Borderline-Störung gestaltet werden kann, um einem ungünstigen Verlauf entgegenzuwirken.
Dieses Buch, das ein Tabu bricht, das fachbezogen und wissenschaftlich geschrieben ist und das Probleme, Versagen und Scheitern thematisiert ohne anzuklagen oder zu verurteilen, verdient Beachtung. Marion Sonnenmoser
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema