ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2006Recherche zum Burn-out-Syndrom: Charakteristischer Erschöpfungszustand

WISSENSCHAFT

Recherche zum Burn-out-Syndrom: Charakteristischer Erschöpfungszustand

Eichenberg, Christiane; Portz, Kareen

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Das Thema „Burn-out“ (Ausgebranntsein) wird seit den Siebzigerjahren erforscht. Die Burn-out-Forschung ist überwiegend aus der Arbeits- und
Organisationspsychologie heraus entstanden. Sie beruht in ihrem Kern auf der Beobachtung, dass in manchen Berufsgruppen, vor allem in Berufen, die mit dem „Arbeitsgegenstand Mensch“ befasst sind, eine erhöhte Anzahl von Mitarbeitern anzutreffen ist, die nach einigen Jahren der Tätigkeit einen charakteristischen Erschöpfungszustand entwickeln, der sich durch folgende Symptomtrias kennzeichnen lässt: emotionale Erschöpfung, „Entpersönlichung“, das heißt ein gefühlloser bis gleichgültiger Umgang mit dem anbefohlenen Personenkreis, und schließlich ein reduziertes Kompetenzgefühl, mangelndes Erfolgserlebnis und der Verlust der Wertschätzung sich selbst gegenüber (1).
Informationen für Fachleute
Als erste Anlaufstelle bieten sich akademische Einrichtungen im deutschsprachigen Raum an. So präsentiert die Kommunikations- und Informationsstelle der Freien Universität Berlin die Studie „Stress und Burn-out bei Lehrern. Optimistische Selbstüberzeugung als Gegenmittel“ (web.fu-berlin.de; Suchfunktion). Über Methode und Ergebnisse ihres Forschungsprojekts „Die Bewältigung psychischer Anforderungen durch Lehrkräfte“ informiert die Universität Potsdam (www.psych.uni-potsdam.de/personality/files/bew-psychi scher-anf.pdf).
Die in Erfurt erstellte Dissertation „Das Phänomen Burn-out am Arbeitsplatz Schule – Ein empirischer Beitrag zur Beschreibung des Burn-out-Syndroms und seiner Verbreitung sowie zur Analyse von Zusammenhängen und potenziellen Einflussfaktoren auf das Ausbrennen von Gymnasiallehrern“ ist auf den Seiten der Digitalen Bibliothek Thüringen in Vollversion zum Herunterladen bereitgestellt (www.db-thueringen. de; Suchfunktion). In englischer Sprache ist das Review „Burnout in Organizations: A CORE Theory Perspective“ von der Universität Tel Aviv abrufbar (www. tau.ac.il; Suchfunktion).
Nicht nur akademische Einrichtungen, sondern auch Fachorganisationen behandeln das Thema Burn-out, so der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (www.bdp-ver band.org; Suchfunktion) in seinem Glossar. Dort werden zum Beispiel die zwölf Phasen des Burn-out-Zyklus beschrieben und Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt.
Das Institut für Gesundheit Kommunikation Motivation (gkm) bietet unter anderem einen Vortrag mit dem Titel „Erschöpft, verschlissen, ausgebrannt – Ursachen, Verlauf und Vorbeugung des Burn-out-Syndroms“ an (www. gkm-institut.de). Referiert werden Bedingungsfaktoren des Burnouts sowie Wege zur Entlastung und Prävention.
Wer an einer Ausbildung zum Berater für von Burn-out Betroffene interessiert ist, kann sich beim Berufsverband der Burn-out-Initiativen e.V. dazu qualifizieren (www.bbid.de). Selbstständige, Führungskräfte und Unternehmensmitarbeiter können sich in einigen Seminaren auf diesem Weg für das Thema sensibilisieren, um im eigenen Betrieb möglichst früh Anzeichen von betroffenen Kollegen und Mitarbeitern identifizieren zu können.
Neben akademischen Einrichtungen und Fachorganisationen engagieren sich auch Einzelpersonen im Netz, wie zum Beispiel Stephanie Dann, Diplom-Kauffrau, Coach und Psychologische Beraterin (DPS). Sie präsentiert in ihrem Online-Angebot nicht nur reine Informationen, wie Symptomatik, Prävention und verschiedenene Phasenmodelle (zum Beispiel nach Burn-out-Forschern, wie Freundenberger, Cherniss, Lauderdale, Edelwich, Maslach), sondern richtet sich im Rahmen von Beratung und Workshops sowohl an Individuen als auch an Organisationen und bietet Schulungen von Führungskräften und Personalentwicklern an. Zielgruppenorientierte Literatur, eine Linksammlung von stationären Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen stehen ebenso auf der Homepage zur Verfügung. Eine sich in Entwicklung befindende Angehörigenliste soll den Austausch ermöglichen (www. ichkannsonichtarbeiten.net).
Erläuterungen des diagnostischen Instruments Maslach Burnout Inventory (MBI) leisten die Seiten der New Brunswick/Piscataway Computing Services der US-amerikanischen Rutgers Universität (www.rci.rutgers.edu/~sjacksox/PDF/EvaluatingStress.pdf). „Evaluating Stress“ behandelt unter anderem Entwicklung und Geschichte des Messinstruments sowie die verschiedenen Formen des MBI. Die „Gütekriterien einer deutschen Fassung des Maslach Burnout Inventory (MBD-I) – Eine Replikationsstudie bei Altenpflegekräften“ veröffentlicht die Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie. Abbonnenten können auf den Volltext zugreifen (www. psyjournals. com; Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie; Jhg. 44, Heft 3).
Eine Rezension des Buches „Ist die Burnout-Forschung ausgebrannt? Analyse und Kritik der internationalen Burnout-Forschung“ von Prof. Ina Rösing steht beim Socialnet zur Einsicht (www.socialnet.de/rezensionen/1063.php).
Die Originalarbeit „Burnout in der Krankenpflege, Syndrom, Entstehungsbedingungen und Hilfen“ der Autorengruppe Stolle, Grossmann, Rottländer und Fischer, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln, ist in der Online-Zeitschrift Psychotraumatologie (www.thieme-connect.de; Suchfunktion) erschienen und ist dort als Volltext abrufbar. Beim Thieme Verlag finden sich weitere relevante Angebote, zum Beispiel werden bei Via medici online die Hintergründe zum Burn-out-Syndrom von Dr. med. Marina Greif aufbereitet (www. thieme.de/viamedici; Suchfunktion). Beim Deutschen Ärzteblatt können derzeit elf themenbezogene Fachartikel online abgerufen werden (www.aerzte blatt.de; Archiv, Volltextsuche).
Laiengerechte Informationen findet man bei dem Gesundheitsportal Onmeda (www.onmeda.de/krankheiten/ burnout_syndrom.html) oder in der Patientenbroschüre der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Bad Bramstedt (www. schoen-kliniken.de, Eingabe von „Burnout“ in die Suchmaske „Kliniksuche nach Fachgebieten“; Klinik Bad Bramstedt). Auf den Seiten des „Psychiatriegesprächs“ werden knapp Epidemiologie und Ätiologie aufgegriffen und über Therapie und Prognose berichtet (www. psychiatriegespraech.de; Suchfunktion).
Das Angebot des PAL-Verlags („Praktisch Anwendbare Lebenshilfen“) (www. palverlag.de/Stress-Burnout. html) hält neben spezifischen Informationen zum Burn-out (zum Beispiel Therapie, Ursachen von Stress, Entspannungsmethoden zur Stressbewältigung) auch Tipps bereit, die zur Überwindung von Alltagsproblemen genutzt werden können, um Stress und Burn-out vorzubeugen. Mehrere Selbsttests stehen zur Verfügung, die seriöserweise mit dem Hinweis versehen sind, dass die Ergebnisse nur erste Anhaltspunkte sind.
Hinweise für Betroffene
Das Sozialnetz Hessen (www.sozial netz-hessen.de/ca/bez/bf/) offeriert Hinweise für Betroffene, Arbeitgeber und Führungskräfte, Betriebsräte und Personalräte genauso wie für Arbeitsschutzexperten und Frauenbeauftragte. Eine zielgruppenspezifische Literaturliste ermöglicht eine weitergehende Beschäftigung mit der Erkrankung.
Zwei Hausarbeiten zum Thema Burnout vom Campus für Alten- und Krankenpflege (pflege.klinikum-grosshadern. de/campus; Rubrik Psychologie) erläutern Symptome, Folgen und Ursachen des Burn-outs sowie Maßnahmen zur Überwindung. Im Rahmen einer Diplomarbeit mit dem Thema „Burnout in der Sozialen Arbeit“ entstand das webbasierte Angebot „Hilfe bei Burnout“ (www.hilfe-bei-burnout. de). Die Homepage umfasst Begriffserklärung und Definition, persönlichkeitszentrierte und organisationsbezogene Erklärungsansätze sowie Hilfemöglichkeiten und Literaturtipps. Ein „Burnout-Test“ mit einer direkten Auswertung kann ebenso durchgeführt werden. Einen weiteren kostenlosen Online-Selbsttest bietet die Integrale Systemberatung (In Seb) (www.burnouthilfe.de) an. Die psychischen, physischen Krankheitszeichen wie die Symptome auf Verhaltens- und Sozialebene werden aufgegriffen, ebenso Entstehung und Prävention. Ein Chat und ein Forum runden das Angebot ab.
www.hilfe-bei-burnout.de
www.hilfe-bei-burnout.de
Prof. Dr. med. Volker Faust, Zentrum für Psychiatrie Weißenau, Ravensburg, hat die Schwerpunkte Erkennen und Verstehen, Vorbeugen und Behandeln des Burn-out-Syndroms auf seiner Homepage ausführlich aufbereitet (www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/ burnout.htm). Unter der Rubrik „Seelisch Kranke“ finden sich weiterführende Hinweise zu „Ausgebrannt – wie kann es dazu kommen“, in der Rubrik Buchbesprechungen wird die Publikation von M. Burisch: „Das Burnout-Syndrom, Theorie der inneren Erschöpfung – zahlreiche Fallbeispiele – Hilfen zur Selbsthilfe“ besprochen.
Prof. Dr. Joachim Bauer ist an der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg tätig. Seine Internetpräsenz skizziert das Burn-out-Syndrom, umreißt betroffene Berufsgruppen, körperliche Veränderungen bei und Prävention von Burn-out (www.psychotherapie-prof-bauer.de). Das Netzwerk BurnOutNet (http://mem bers.aon.at/possnigg/pages/ burnout/indexb-o.htm) ist initiiert von Dr. med. Günther Possnigg, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Thematisiert werden Symptome und Frühzeichen des Störungsbildes sowie Präventions- und Interventionsmöglichkeiten. Darüber hinaus sind Texte von Betroffenen abrufbar und ein interaktives Forum nutzbar. Diplom-Psychologe Volker Drewes (www.bera tung-therapie.de) bietet online Antistress-Übungen bei Burn-out an. Das Übungsmodul dient dazu, psychosomatische Beschwerden mithilfe eines logisch in Einzelschritten aufgebauten Lernprogrammes abzubauen und besser damit umzugehen. Wer das Angebot in Anspruch nehmen möchte, muss ein Entgelt von fünf Euro entrichten.
Die Psychotherapeutin A. Brecht (www.die-psychologin.de) bietet unter anderem spezielle Online-Beratung für Menschen an, die in der Altenpflege tätig sind. Weitere fachbasierte Online-Beratung beziehungsweise Hilfe per Telefon speziell zum Thema Depressionen und Burn-out ist bei psychologe.de möglich (www.psychologe.de/beratung/ depressionen_burn_out.php).

Literatur
1. Fischer G, Eichenberg C, Mosetter K, Mosetter R: Stress im Beruf? Wenn schon, dann aber richtig!
Wege aus der Stress(Vermeidungs)-Spirale. Heidelberg: Asanger 2006.

Dr. Christiane Eichenberg, Dipl.-Psych., Kareen Portz, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln, E-Mail: eichenberg@uni-koeln.de, Internet: www. christianeeichenberg.de
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