ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2006Tarifverhandlungen: Taktische Spielerei

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Tarifverhandlungen: Taktische Spielerei

Flintrop, Jens

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LNSLNS Sollten es die Arbeitgeber tatsächlich wagen, den seit Wochen streikenden Ärzten den Verdi-Tarifvertrag überzustülpen, werden sie in den Kliniken eine Streikexplosion erleben“ – diese Drohung richtete der Marburger Bund (MB) am 19. Mai an die Tarifgemeinschaft deutscher Länder. In der Folge wurden die Streiks der Uniklinikärzte nochmals ausgeweitet. Die Länder mussten schließlich einsehen, dass die Streikmotivation der Ärzte, anders als kalkuliert, keineswegs nachließ. Am 16. Juni wurde dann der erste eigenständige Tarifvertrag für Ärzte vereinbart, der mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen verspricht.
Am 1. August nun die gleiche taktische Spielerei auf kommunaler Ebene: Wieder nahm sich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft das Recht heraus, über die Köpfe der Ärzte hinweg einen Tarifvertrag für diese abzuschließen. Zwar habe Verdi im kommunalen Bereich deutlich weniger Ärzte organisiert als der MB, räumte Frank Bsirske ein. Außer Frage stehe aber, „dass wir die weitaus stärkste Gewerkschaft im Krankenhausbereich sind“. Daraus leitet der Verdi-Vorsitzende den Anspruch ab, die Interessen des gesamten Klinikpersonals zu vertreten.
Die Klinikärzte gaben erneut die richtige Antwort: Wieder konterten sie die Provokation der Arbeitgeberseite – diesmal die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) – mit einer nochmaligen Ausweitung der Streiks. So legten am 9. August 17 000 Ärzte in 183 kommunalen Krankenhäusern ihre Arbeit nieder, rund 3 500 Ärzte kamen zur MB-Kundgebung nach München. „Die stetige Verschärfung der Streiks belegt, dass der Plan der VKA, die Streikmotivation der Ärzte mit dem Verdi-Tarifabschluss auszuhebeln, gescheitert ist“, kommentierte der MB-Vorsitzende Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. Der MB sei die einzig legitimierte Ärztegewerkschaft, organisiere er doch 110 000 der insgesamt 140 000 Klinikärzte.
Die Arbeitgeber beugten sich auch diesmal dem Druck der Ärztestreiks und boten dem MB neue Gespräche an. Am 14. August wurden die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen – bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch ohne Ergebnis. Ob die VKA dazugelernt hat und in Düsseldorf endlich ein akzeptables Angebot vorlegte, ist in der Onlineausgabe des Deutschen Ärzteblattes nachzulesen unter: www.aerzteblatt.de. Jens Flintrop
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