ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2006Hausärztliche Versorgung: Allgemeininternist auf dem Land unabdingbar
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LNSLNS Was ist jedoch die Ursache für die Malaise? Viele Kliniken boten keine Weiterbildungsstellen für Allgemeinärzte an, da diese rotieren mussten und für die jeweilige Abteilung nur für kurze Zeit zur Verfügung standen. Aus diesem Grunde wurden zu viele Allgemeininternisten weitergebildet, zu wenige Allgemeinärzte. Diese Internisten schalteten sich nicht nur wegen mangelnder Verdienstaussichten im Fachgebiet in den hausärztlichen Bereich ein – der für einen Internisten auch nicht fachfremd ist –, sie wurden ausdrücklich gebeten, Aufgaben der Allgemeinärzte mit zu übernehmen, da hier schon vor Jahren ein Mangel herrschte. Dies ging lange Zeit gut, bis die Allgemeinmedizin in der Weiterbildung aufgewertet wurde und zumindest zeitweise der Mangel an Allgemeinärzten ausgeglichen war. Und nun setzte ein Verdrängungswettbewerb ein . . . In ländlich-kleinstädtisch strukturierten Regionen kann ein Teilgebietsinternist kaum existieren. Häuser der Grundversorgung in diesem Bereich sind ebenfalls auf einen umfassend weitergebildeten Fachinternisten angewiesen, gleich, ob hauptamtlich oder belegärztlich strukturiert. In meiner Heimatstadt, wo ich 36 Jahre kooperativ belegärztlich tätig war, musste und muss auch heute jeder teilnehmende Kollege in der Lage sein, kardiale, gastrointestinale oder endokrine Notfälle wie ein diabetisches Koma zu erkennen und zu therapieren. Reine Teilgebietsinternisten sind dazu nicht weitergebildet und vielfach nicht in der Lage. Wer also auch in ländlich strukturierten Regionen unseres Landes eine fachgerechte internistische Versorgung gewährleisten will, muss für den Erhalt des Allgemeininternisten eintreten. Noch ein Wort zu dem Imageproblem, von dem anscheinend besonders hausärztliche Funktionsträger befallen sind: Ich erkenne die hohe ärztliche Kompetenz der übergroßen Mehrzahl unserer Hausarztkollegen an, die in der Breite ein größeres Wissen, in der Tiefe ein geringeres Wissen als ein Internist haben. Deshalb: Statt Konkurrenz Zusammenarbeit, wie sich das abseits von allem Funktionärsdenken seit Jahrzehnten unter den Kollegen bewährt hat.
Dr. med. Klaus Reichel,
Hubertussteig 7, 91217 Hersbruck
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