ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2006Hausärztliche Versorgung: Für den Erhalt des Internisten

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Hausärztliche Versorgung: Für den Erhalt des Internisten

Dtsch Arztebl 2006; 103(33): A-2163 / B-1867 / C-1805

Theurich, Jan Peter

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LNSLNS Als langjährig beruflich tätiger Internist halte ich die Abschaffung des Internisten ohne Schwerpunkt für eine gesundheitspolitisch nicht vertretbare Entscheidung. Sowohl im hausärztlichen als auch im klinischen Bereich sind Fachärzte für Innere Medizin unverzichtbar. Unabhängig davon, dass es eine Zumutung ist, langjährige berufstätige Internisten plötzlich in eine Arbeitsmarktsituation zu bringen, in der ein Internist ohne Schwerpunkt nicht mehr gesucht wird, muss es schon sehr befremden, wenn hausärztliche Kollegen, die internistisch gearbeitet haben, jedoch keine sechsjährige Ausbildung in der Inneren Medizin genossen haben, nun sich Facharzt für Innere Medizin und Hausarzt nennen dürfen. Beim Patienten muss der fälschliche Eindruck entstehen, dass es sich hierbei um einen wesentlich weiter qualifizierten Arzt als den bisherigen Internisten handelt. Trotz hohem Respekt vor den spezialisierten Kollegen und deren Notwendigkeit im medizinischen System fallen mir mindestens ebenso viele Arbeitsbereiche ein, in denen gerade ein breites internistisches Wissen notwendig ist (von der Leitung eines kleinen Krankenhauses bis zum geriatrischen Zentrum für Altersmedizin, u. a.). Wir Ärzte laufen Gefahr, in Zeiten knapper Ressourcen und schlechter Vergütung rein von lobbyistischen Abgrenzungsgedanken geleitet zu werden. Ein vernünftiger Internist wird keinerlei Probleme haben, mit
einem Hausarzt kollegial und gut zusammenzuarbeiten, sowohl in der Praxis als auch in der Klinik. Das Modell „Hausarzt als Lotse“ ist durchaus sinnvoll, wenn der Lotse hinreichend qualifiziert und auch in der Lage ist, die Untersuchungen, die er qualitätsgesichert beherrscht, selbst durchzuführen. Das Konstrukt der K.-o.-Leistungen, das zum Beispiel einem 20 Jahre gastroskopierenden Hausarzt verbietet, dies weiterhin zu tun, und ihn zwingt, diese Leistungen von einem „Spezialisten“ (Internisten mit evtl. zweijähriger gastroenterologischer Weiterbildung) durchführen zu lassen, ist ein Schildbürgerstreich und kostentreibend. Die Qualität der niedergelassenen Hausärzte hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und Facharztniveau; und wie immer im Leben kommt es darauf an, dass Leute Dinge, die sie durchführen, auch vernünftig beherrschen. In einem Zeitalter der Medizinrationierung sollte zumindest die Vorstufe der Medizinrationalisierung beherrscht werden . . .
Dr. med. Jan Peter Theurich, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik, Westfälische Klinik Gütersloh, Hermann-Simon-Straße 7,
33334 Gütersloh
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