ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2006Hausärztliche Versorgung: Irritierend

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Hausärztliche Versorgung: Irritierend

Dtsch Arztebl 2006; 103(33): A-2165

Lau, Dietrich

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LNSLNS Der Aufbau des Plädoyers von Hans Hege für den Allgemeininternisten ist schon etwas irritierend. Es werden Zwischenüberschriften, wie „Statusdifferenz“, „Bildung droht zu verflachen“, „Hausarzt als Kontrollinstanz“ benutzt, angesichts einer zurzeit gleichlangen Weiterbildung in Allgemeinmedizin und Innerer Medizin von jeweils fünf Jahren. Sollte sich nicht die Versorgungsrealität des Hausarztes in seiner Weiterbildung wiederfinden? Diese ist aber nun mal unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass maximal 50 Prozent, allerdings mit individuellen Unterschieden je nach Neigung und Versorgungsauftrag, internistische Beratungsanlässe sind. Der Rest geht über alle Fachgebiete. Diese werden nach der neuen Weiter­bildungs­ordnung dort gelernt, wo sie anfallen, nämlich in der allgemeinmedizinischen Praxis. Der Verfasser beklagt, dass die Weiterbildungsnovelle von 2002 den ganzheitlichen Aspekt der Medizin gänzlich der Allgemeinmedizin überantwortet. Möchte er zwei verschiedene ganzheitliche Sichten, eine internistisch hausärztliche und eine allgemeinmedizinisch internistische? Könnten mit gleichem Recht nicht auch noch sehr viel mehr Fachgebiete den ganzheitlichen Aspekt ihres Gebietes für sich reklamieren? Der Hausarzt muss sich auf das Wesentliche des ganzen Menschen, das Diagnostik- und Therapiewürdige, konzentrieren. Er muss der zunehmenden Fragmentierung des Patienten durch die moderne Medizin entgegenwirken und sein breites biografisches und kommunales Kontextwissen (K. Dörner) einbinden. Herr Hege beklagt die mögliche Instrumentalisierung des Hausarztes als „obligates Rationalisierungsinstrument“ bei der Zuweisung verknappter Ressourcen. Sollte das nach den USA und der Schweiz teuerste Gesundheitswesen nicht ständig auf rationale Grundlagen hinterfragt werden? Mit einer Wiederaufnahme der Diskussion über den zukünftigen Hausarzt ist sicherlich nicht den – bereits von der Gesellschaft wahrgenommenen – drängenden Nachwuchsproblemen im hausärztlichen Bereich gedient. Der zukünftige „Generalist“ der Hausarztversorgung sollte meines Erachtens auf seinen Versorgungsauftrag nicht nur gut vorbereitet sein, sondern auch ein klares einheitliches Profil haben. Nur dann kann er attraktiv sein und der jungen Generation eine anziehende Perspektive bieten.
Dr. med. Dietrich Lau,
Eppendorfer Weg 240, 20251 Hamburg
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