ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2006Vitamine C oder E senken nicht Präeklampsie-Risiko

MEDIZIN: Referiert

Vitamine C oder E senken nicht Präeklampsie-Risiko

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LNSLNS Schwangere mit einem hohen Risiko für Präeklampsie sollten auf hochdosiertes Vitamin C oder E verzichten. Im Gegensatz zu früheren Annahmen scheinen die Vitamine das Risiko für eine Präeklampsie nicht zu verringern. Dies folgern britische Autoren aufgrund einer großen randomisierten Studie mit etwa 2 400 Schwangeren (1). Einschlusskriterien waren eine Schwangerschaft in der 14. bis 21. Woche und mindestens ein Risikofaktor für Präeklampsie wie beispielsweise eine vorherige Schwangerschaft mit Eklampsie oder Präeklampsie, ein medikamentenpflichtiger Hypertonus oder ein Diabetes, ein Antiphospholipid-Syndrom oder ein Body-Mass-Index von mindestens 30 kg/m2.
Ab dem zweiten Trimester der Schwangerschaft nahm jeweils die Hälfte der Studienteilnehmerinnen täglich 1 000 mg Vitamin C und 400 IU Vitamin E oder ein Placebo ein. Der primäre Studienendpunkt war Präeklampsie, definiert als ein länger anhaltender diastolischer Blutdruck von mindestens 90 mm Hg. Als sekundären Endpunkt formulierten die Forscher Geburtsgewicht unter 2,5 kg, Frühgeburt und Größe des Fetus unter der 5. Perzentile.
Durch die Vitamingabe konnte das Präeklampsierisiko im Vergleich zur Placebogruppe nicht gesenkt werden. Außerdem wurden in der Verumgruppe signifikant mehr Kinder mit geringem Geburtsgewicht geboren, und es wurde häufiger im Nabelschnurblut ein pH-Wert < 7 gemessen. Nach Auffassung der Autoren könnte der niedrigere pH-Wert auf einen früheren Beginn der Präeklampsie hinweisen. Dies könnte auch die höhere Zahl an Frühgeburten in der Verumgruppe erklären. Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass Diabetikerinnen nach Vitamingabe signifikant mehr wachstumsretardierte Kinder zur Welt brachten.
In einer weiteren Studie untersuchten australische Wissenschaftler, ob die Vitamine C und E bei gesunden Erstgebärenden das Präeklampsierisiko oder perinatale Komplikationen senken können (2). 1 877 Schwangere nahmen nach der Randomisierung an dieser placebokontrollierten Studie teil.
Bei gleicher Dosierung wie in der britischen Untersuchung stellten die Autoren keinen Unterschied im Hinblick auf die genannten Endpunkte zwischen den Gruppen fest. Die Autoren raten davon ab, gesunden Erstgebärenden routinemäßig zusätzlich Vitamine zu verabreichen. me

1. Poston L, Briley AL, Seed PT et al.: Vitamin C and vitamin E in pregnant women at risk for pre-eclampsia (VIP trial): a randomised placebo-controlled trial. Lancet 2006; 367: 1145–54.
E-Mail: lucilla.poston@kcl.ac.uk

2. Rumbold AR, Crowther CA, Haslam RR et al.: Vitamins C and E and the risks of preeclampsia and perinatal complications. N Engl J Med 2006; 354: 1796–806.
E-Mail: caroline.crowther@adelaide.edu.au

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