ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2006Praxisführung: Die SWOT-Analyse

STATUS

Praxisführung: Die SWOT-Analyse

Dtsch Arztebl 2006; 103(33): A-2204 / B-1908 / C-1844

Letter, Karin; Letter, Michael

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Foto: KEYSTONE
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Zum ersten Mal mit dem Begriff „SWOT“ konfrontiert werden Ärzte meist dann, wenn sie eine Praxis gründen wollen und dafür einen Kredit aufnehmen müssen: Die finanzierende Bank will wissen, über welche Stärken und Schwächen die Praxis verfügen wird und welche Chancen und Risiken die Gründung mit sich bringt.
Hinter „SWOT“ verbergen sich die Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken). Neben dem Nachweis der Kreditwürdigkeit kann der Arzt SWOT auch einsetzen, um für sich selbst Klarheit darüber zu gewinnen, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten und Gefahren die Praxisgründung bietet. Des Weiteren stellt er so fest, welche Strategie ihn dabei unterstützt, seine Praxis vom Wettbewerb stärker zu differenzieren oder ein bestimmtes Praxisimage aufzubauen.
Jede Praxis ist darauf angewiesen, regelmäßig eine Bewertung seiner gegenwärtigen Stärken und Schwächen (Analyse der internen Faktoren) sowie der Chancen und Risiken (Analyse der externen Faktoren) durchzuführen. Nur so lassen sich tragfähige strategische Entscheidungen für die Zukunft fällen, die auf einer gesicherten Informationsgrundlage basieren. Zunächst einmal muss der Arzt seine Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken benennen – diese werden sich von Praxis zu Praxis unterscheiden. Aber Achtung: Gerade die Stärken und Schwächen sind relative Größen: Eine sehr gute Parkplatzsituation wird erst dann zu einer Stärke, wenn konkurrierende Praxen über keine Parkplätze verfügen.
Der Arzt listet also alle internen Faktoren auf und bewertet sie im Vergleich mit dem Wettbewerb mit Schulnoten. Faktoren mit den Noten 1 bis 3 gelten als Stärken, die anderen als Schwächen. Zu den Bereichen, in denen Kernfähigkeiten und Kernschwächen beurteilt werden, gehören die Bereiche „Qualität des Arztes und des Personals“, „Praxis-Marketing“, „Finanzsituation“, „Standort und Praxisräumlichkeiten“ und „(Geräte-)Ausstattung“. Wer seine Assistentinnen zu Patientenberaterinnen qualifiziert hat, verfügt über eine Stärke, die vom Wettbewerber nicht so schnell kopiert werden kann und die der Patient durch die spürbar hohe Qualität der Beratungsgespräche direkt wahrnimmt. Wer im Vergleich zur Konkurrenzpraxis nebenan seine extrem hohen Wartezeiten nicht in den Griff bekommt, muss dies als Schwäche vermerken.
Dieselbe Vorgehensweise wendet der Arzt bei den Chancen und Risiken an. Klassische Felder sind die technologische Entwicklung, die Einfluss darauf hat, welche Geräte in Zukunft angeschafft werden müssen. Bei geräteintensiven Praxen ist dies gewiss ein finanzieller Risikofaktor. Brisant ist die Bewertung der politischen Entwicklungen – die Folgen möglicher Gesundheitsreformen können zumindest langfristig kaum prognostiziert werden. Zur externen Analyse gehören zudem Bewertungen des Patientenverhaltens und eine Konkurrenzanalyse. Die Gründung einer großen Gemeinschaftspraxis in direkter räumlicher Nähe der eigenen Praxis stellt ein Risiko dar.
Bei der externen Chancen- und Risiko-Analyse ist es hilfreich, sich nicht nur auf die eigene Bewertung zu verlassen, sondern die Patienten zu befragen. Auch bei den Punkten Strengths und Weaknesses ist es sinnvoll, Fremdbewertungen einzuholen, um einen objektiven Blick auf die Praxisabläufe, die Organisation der Terminvergabe, die medizinischen Funktionsbereiche, die Kommunikationskompetenz der Assistentinnen und das Praxisambiente zu erhalten.
Letztendlich jedoch führt die SWOT-Analyse nur zu Zahlen, Daten und Fakten, die der Interpretation bedürfen. SWOT liefert die Grundlage, um Entscheidungen bei der Praxisgründung, bei Personaleinstellungen und strategischen Entscheidungen zu treffen. Bei einem Internisten mit Praxis in Hilden konnte den durch eine SWOT-Analyse festgestellten Problemfeldern „hohe Wartezeiten“ und „beängstigend niedrige Patientenzufriedenheit“ begegnet werden, indem neue Assistentinnen eingestellt und unzuverlässige Mitarbeiter entlassen wurden.
Mit SWOT erhält ein Arzt Hinweise auf Felder, in denen ein Handlungsbedarf besteht: Grundsätzlich sollten Stärken weiter ausgebaut und nach außen kommuniziert, Schwächen und – soweit beeinflussbar – Risiken gemindert werden. Chancen kann der Arzt detailliert prüfen. Die Analyse erlaubt zugleich differenziertere Aussagen: Aus der Beurteilung der internen Stärken und Schwächen sowie der externen Chancen und Risiken wird eine Entscheidungsmatrix mit strategischen Entscheidungsoptionen abgeleitet. Karin und Michael Letter
E-Mail: info@5medical-management.de
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