ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2006zu Lebensversicherungen: Klamm?

VARIA: Schlusspunkt

zu Lebensversicherungen: Klamm?

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es soll ja auch in Ärztekreisen durchaus vorkommen, dass, vornehm ausgedrückt, ein temporärer Liquiditätsengpass vorliegt, auf Deutsch, die Kohle reicht im Moment hinten und vorne nicht. Viele scheuen in einer solchen Situation den rechtzeitigen Gang zur Bank, wer spricht schon gerne über seine Finanznöte, das mögliche Gerede im Dorf schreckt halt ab. Schnell werden dann alternative Finanzquellen eruiert, und da ist der Weg gar nicht mehr weit, die bestehende Lebensversicherung über Bord zu werfen. Es muss einfach Geld her, koste es, was es wolle.
Auf den Dreh kommen erstaunlich mehr Leute, als ich es für möglich gehalten hätte. Die Kündigung einer Police ist fast schon die Regel und nicht die Ausnahme, obwohl solche Verträge im Grunde meist zur Altervorsorge abgeschlossen wurden. Sage und schreibe mehr als die Hälfte aller Versicherten steigt vorzeitig aus dem Vertrag aus, obwohl durch die Kündigung nur der so genannte „Rückkaufswert“ ausgezahlt wird, der dem Kunden oft horrende Verluste einbringt.
Oft erhalten Sie bei einer vorzeitigen Kündigung weniger Geld, als Sie überhaupt einbezahlt haben, manchmal nur ein paar kümmerliche Euro, dieser Effekt wirkt umso stärker, je früher die Kündigung erfolgt. Das heißt also, trotz der „Beliebtheit“ dieser Maßnahme ist das vorzeitige Verlassen der Lebensversicherung absolut sinnlos und sollte auf keinen Fall praktiziert werden.
An der womöglich immer noch schwelenden Liquiditätsklemme hat sich durch die tröstenden Worte gleichwohl nichts geändert, werden Sie jetzt einwenden. Wohl wahr. Aber auch hier kann Abhilfe geschaffen werden. Zwar hängt es die Assekuranzbranche nicht an die große Glocke, aber das Beleihen einer Lebensversicherung ist durchaus möglich und wird auch praktiziert. Und dabei halten die Zinsen einem banküblichen Kredit durchaus stand, sie liegen teilweise sogar niedriger. Wer klamm ist, bekommt hier also einen ordentlichen Ausweg geboten.

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und wurde die Versicherung bereits gekündigt und der Rückkaufswert ausgezahlt, kann man gleichwohl auf einen Nachschlag hoffen, vorausgesetzt, der Vertrag wurde zwischen Juli 1994 und 2001 abgeschlossen. Nach mehreren Urteilen des Bundesgerichtshofs darf der Rückkaufswert einer Police bei einer vorzeitigen Auszahlung nicht mehr auf null sinken (Az.: BGH IV ZR 162/03, 177/03, 245/03). Musterbriefe an die Versicherung können unter www.verbraucher.de heruntergeladen werden.
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