ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2006Nachgefragt: Frank Ulrich Montgomery

POLITIK

Nachgefragt: Frank Ulrich Montgomery

Flintrop, Jens

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Dr. med. Frank Ulrich Montgomery (54) ist seit 1989 Bundesvorsitzender des Marburger Bundes. Foto: ddp
Dr. med. Frank Ulrich Montgomery (54) ist seit 1989 Bundesvorsitzender des Marburger Bundes. Foto: ddp
DÄ: Nach zähen Verhandlungen hat sich der Marburger Bund nun auch mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände auf einen arztspezifischen Tarifvertrag geeinigt. Welche Ärzte sind die Verlierer, welche die Gewinner des Tarifabschlusses?
Montgomery: Zunächst einmal profitieren alle Ärzte davon, dass wir uns mit der VKA auf einen eigenständigen Arzt-Tarifvertrag verständigt haben. Tendenziell zählen junge ledige Ärzte zu den Gewinnern. Für Ärzte mit Kindern konnten wir leider keine entsprechenden Kinderzuschläge vereinbaren. Eine Klausel zur Besitzstandswahrung stellt aber sicher, dass kein Arzt weniger verdient als bisher.
DÄ: Die Arbeitgeberseite klagt, sie könne die Folgen der Tarifeinigung eigentlich nicht bezahlen . . .
Montgomery: Wenn ich das schon höre! Richtig ist, dass wir einen sehr flexiblen Vertrag geschlossen haben. So stellt eine Öffnungsklausel sicher, dass jene Krankenhäuser, die es sich leisten können, höhere Gehälter zahlen dürfen – etwa, um besonders qualifizierte Ärzte zu halten. Krankenhäuser, deren Existenz gefährdet ist, können im Gegenzug Vereinbarungen zur Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft mit uns treffen. Wir bestehen dann aber darauf, dass eine unabhängige Unternehmensberatung die Finanznöte bestätigt und dass der Träger ein überzeugendes Konzept vorlegt, wie er die Schieflage überwinden will.

DÄ: Wie geht es weiter? Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, der Marburger Bund könne sich jetzt zufrieden zurücklehnen.
Montgomery: Mitnichten. Nach Ländern und Kommunen gilt es nun, auch die freigemeinnützigen Träger und die privaten Klinikketten vom Wert eines Arzt-Tarifvertrages zu überzeugen.
DÄ: Das heißt, es drohen weitere Streiks von Klinikärzten?
Montgomery: Wir bieten den betreffenden Arbeitgebern zunächst einmal Gespräche an. Den Verantwortlichen ist sicher klar, dass die Tarifverbesserungen nicht spurlos an ihnen vorübergehen werden. Wir haben bewiesen, dass wir notfalls einen Arbeitskampf durchziehen können. Ein Streik ist aber immer nur die Ultima Ratio. Wir wollen keinen Wettbewerb der Kliniken über die Gehälter der Ärzte.

DÄ: Wird sich der Marburger Bund für andere Berufsgruppen im Krankenhaus öffnen?
Montgomery: Das ist noch nicht entschieden. Ich plädiere für eine ergebnisoffene Diskussion innerhalb des Verbandes. Dafür spricht, dass die Ärzte in den Krankenhäusern gerade einmal 15 Prozent der Belegschaft ausmachen und der Marburger Bund gegen Verdi deshalb oft den Kürzeren zieht. Allerdings sollten wir uns auch fragen, ob wir wirklich wieder in ein solches Solidaritätskorsett zurückwollen, wie wir es jahrelang an der Seite von Verdi erduldet haben.
DÄ-Fragen: Jens Flintrop
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