ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2006Lohnnebenkosten: Auf falschem Weg
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LNSLNS . . . Die Kopplung der Kran­ken­ver­siche­rungsbeiträge an das Lohnniveau wird den bevölkerungspolitischen Entwicklungen und insbesondere den neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen der Medizin bei weitem nicht mehr gerecht. Gerechtfertigt werden auch heute noch die eingeleiteten, meist unausgegorenen und offensichtlich völlig ungeeigneten politischen Maßgaben, mit der angeblich dringend erforderlichen Senkung der Lohnnebenkosten. Als Arbeitgeber ist es für mich jedoch völlig unerheblich, ob der Krankenkassenbeitrag eines Arbeitnehmers 12,9, 13,1 oder 14,7 Prozent beträgt. Für die eigentlichen Lohnnebenkosten meines Betriebes sind Differenzen zwischen z. B, 12,9 Prozent und 14,7 Prozent marginale Summen. Tatsächlich massiv ins Gewicht fallende Beiträge sind allerdings folgende:
- Sechs Wochen Urlaub mit voller Lohnfortzahlung (ca. 13,5 Prozent des Bruttolohnes)
- Sechs Wochen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (ca. 13,5 Prozent des Bruttolohnes)
- Urlaubsgeld (ca. 4,1 Prozent)
- Weihnachtsgeld (ca. 8,9 Prozent)
- Fortbildungsurlaub (ca. 6,1 Prozent)
- Vermögenswirksame Leistungen (ein Prozent)
- betriebliche Altersvorsorge (ca. 7,1 Prozent)
- Sonderzuwendungen (ca. 8,8 Prozent)
- ggf. Abfindungen bei Ausscheiden aus dem Betrieb (variabel)
- 3,5 Monate Lohnfortzahlung im Mutterschutz (ca. 30 Prozent des Bruttolohnes usw.), (9/2003 Institut der deutschen Wirtschaft). Meines Erachtens ist daher die augenblickliche Debatte um die Gesundheitsreform genauso unehrlich wie unnötig. Es bieten sich genug Möglichkeiten an, das Gesundheitssystem auch ohne Steuererhöhung zu sanieren. Der falscheste aller Wege ist jedoch der augenblicklich gewählte: noch mehr Geld in ein zum Untergang verurteiltes, veraltetes System zu pumpen. Gefordert sind Innovationsgeist und Einbindung des einzelnen Bürgers (und Patienten) in die Verantwortlichkeit für unseren Staat, und damit auch in unser Gesundheitssystem.
Dr. med. Kornelius Hoffmann, Lindenstraße 13–15, 49393 Lohne
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