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Arztroman: Das Schicksal schlägt zu
Horst Joachim Rheindorf: Karen. Roman. Karin Fischer Verlag, Aachen, 2006, 516 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 26,40 €
Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Schriftsteller-Ärzte, Prof. Dr. med. Horst Joachim Rheindorf (84), hat es sich nicht nehmen lassen, sein schriftstellerisches Werk, das bisher berufspolitisch geprägt war, belletristisch zu krönen. Mit langem Atem erzählt er die Liebes-, Leidens- und Lebensgeschichte des Arztes Hellmuth und seiner großen Liebe Karen, einer ostpreußischen Baronesse, Medizinstudentin und nachmaligen Bildhauerin. Die beiden lernen sich in den 40er-Jahren kennen und unversehens lieben, verlieren sich aber in den Kriegswirren. Hellmuth heiratet schließlich Kollegin Monika, macht im Westen Karriere als Frauenarzt und Professor, wird aber privat, man ahnt’s, nicht glücklich. Als dann die verschollene Karen aus russischer Kriegsgefangenschaft wieder auftaucht, nimmt das Schicksal erneut seinen Lauf. Wie, das sei nicht verraten, nur so viel: Das Schicksal meint es gut mit Hellmuth, Karen und sogar der entsagenden Monika.
Rheindorfs väterlicher Freund und Vorgänger im Amt des Schriftstellerpräsidenten, Prof. Dr. med. Wilhelm Theopold (90), ehedem unter anderem hessischer Kammerpräsident, schreibt zu dem kollegialen Werk wehmütig-hoffnungsvoll: „Es ist die Geschichte von der verlorenen und wieder gefunden Zeit, von hohen moralischen Ansprüchen, die unserer Zeit fremd geworden sind, aber vielleicht eine Wiedergeburt erleben. Es ist das hohe Lied einer fast tödlich verletzten Liebe, die dennoch gleichsam unzerstörbar ein Eigenleben führt, die Zeiten überdauert und wieder aufersteht, aber auch von Verzeihen, Verstehen und Vergessen – an Dramatik berühmten Passagen verwandt.“ Wie in einem Film male der Autor „die Stärken des Glücks, sehr subtil und poetisch die Liebe des jungen Paares“. Psychologisch hinterfrage er die Tragödie, mit „flügelleichter Heiterkeit“, und mit Humor lasse er die Idylle wiederkehren.
Kolleginnen und Kollegen, die gerne einmal zu einem traditionell erzählten, sprachlichen Experimenten abholden Roman aus der Feder – oder war’s das Diktiergerät? – eines Kollegen greifen möchten, sei „Karen“ ans Herz gelegt. Sie werden ihre helle Freude haben. Peter Hilmend
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