ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2006Atherosklerose: Hohe Komplikationsrate trotz Therapie belegt

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Atherosklerose: Hohe Komplikationsrate trotz Therapie belegt

Fath, Roland

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LNSLNS Etwa jeder achte Patient mit manifester Atherosklerose oder mindestens drei kardiovaskulären Risikofaktoren erfährt trotz Therapie innerhalb eines Jahres eine Komplikation. Das hat die erste Auswertung eines weltweiten klinischen Registers zur ambulanten Versorgung von Gefäßpatienten ergeben. Das Risiko steigt mit der Zahl der betroffenen Gefäßregionen und der Risikofaktoren stufenweise.
Im REACH(Reduction of Atherothrombosis for Continued Health)-Register, das von den Firmen Sanofi-Aventis und Bristol Myers-Squibb unterstützt wird, sind fast 68 000 Patienten aus 44 Ländern erfasst – darunter mehr als 5 600 aus Deutschland. Die Patienten, bei Studienbeginn klinisch stabil und im Durchschnitt 69 Jahre alt, hätten eine bekannte periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), koronare Herzkrankheit (KHK), zerebrovaskuläre Erkrankung oder mindestens drei kardiovaskuläre Risikofaktoren, berichtete Dr. Gabriel Steg (Paris).
Ein Jahr nach der Registrierung liegen die ersten Ergebnisse vor: Eine schwere zerebrovaskuläre Komplikation – Herzinfarkt, Schlaganfall, Hospitalisierung wegen kardiovaskulärer Probleme oder kardiovaskulärer Tod – erlitten 13 Prozent aller Patienten, von den Patienten mit pAVK war sogar jeder Fünfte betroffen. Die kardiovaskuläre Mortalität betrug 1,7 Prozent, der kombinierte Endpunkt aus Herztod, Schlaganfall oder Myokardinfarkt trat bei 4,4 Prozent der Patienten ein. Besonders stark gefährdet waren – wie zu erwarten – Patienten, bei denen drei Gefäßregionen (pAVK, KHK und zerebrovaskuläre Erkrankung) betroffen waren. Die Ereignisrate betrug bei ihnen 28 Prozent.
Bei Patienten ohne manifeste Erkrankung, aber mit mehreren Risikofaktoren betrug die Ereignisrate fünf Prozent. Die Rate der Komplikation habe mit der Zahl der Risikofaktoren zugenommen, berichtete Steg.
Das Register mache deutlich, dass ambulant geführte Patienten mit Atherosklerose trotz medikamentöser Therapie sehr frühzeitig Komplikationen erleiden, betonte Priv.-Doz. Dr. Uwe Zeymer (Ludwigshafen). Etwa die Hälfte der Patienten erhielten Betablocker, jeweils drei Viertel Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems und der Thrombozytenaggregation sowie Statine.
Die Ereignisraten variierten von Land zu Land zum Teil deutlich. In Japan zum Beispiel waren Komplikationen um 50 Prozent seltener als in vielen anderen Ländern. Relativ schlecht waren die Ergebnisse in Westeuropa und insbesondere in Deutschland, sagte Zeymer. Die Ereignisrate lag in Westeuropa mit mehr als 15 Prozent deutlich über dem Durchschnitt, und auch bei der Kontrolle von Risikofaktoren lagen die Westeuropäer nur im Mittelfeld. Roland Fath

Pressekonferenz: „Reach-Register, Late Breaking Clinical Trials“ in Atlanta, aus Anlass der 55. Jahrestagung des American College of Cardiology, Veranstalter: Bristol-Myers Squibb, Sanofi-Aventis
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