ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2006Experimentelle Gentherapie: Teilremissionen bei malignem Melanom

AKTUELL: Akut

Experimentelle Gentherapie: Teilremissionen bei malignem Melanom

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Ein Team von US-Forschern um Stephan Rosenberg vom National Cancer Institute in Bethesda hat T-Zellen von Melanom-Patienten mit Genen versehen, die die körpereigene Abwehr stimulieren sollen. Den Medien wurde die Behandlung als „erste erfolgreiche Gentherapie von Krebserkrankungen“ vermittelt. In der Publikation in Science (2006: doi: 10.1126/science.1129003) ist aber nur von Teilremissionen bei zwei von 17 Patienten mit metastasiertem Melanom die Rede, die allerdings seit mehr als einem Jahr Bestand haben. Rosenberg hatte T-Zellen im Labor mit Genen des T-Zell-Rezeptors versehen, um sie dann mit Retroviren in die DNA des Menschen zu schleusen. Im Prinzip handelt es sich um die Methode, die Alain Fischer vom Hôpital Necker in Paris bei der ersten erfolgreichen Gentherapie der angeborenen Immunschwäche X-SCID (X-chromosomale schwere kombinierte Immundefizienz) verwendete. Damals wurden die Abwehrzellen mit einem Gen versehen, das im Körper defekt war. Dieses Mal wurde keine solche „Gen-Reparatur“ durchgeführt.

Ziel der US-Studie war eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der
T-Zellen. Denn der T-Zell-Rezeptor, den die US-Forscher in die tumorinfiltrierenden Lymphozyten einbauten, vermittelt den Kontakt mit den Antigenen (hier den Melanomzellen) und kann auf diese Weise die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf den Tumor lenken. Rosenberg hat inzwischen 17 Patienten behandelt, wobei das Verfahren während der Studie ständig verfeinert wurde. Zuletzt sei es ihm gelungen, mit der Gentherapie T-Zellen zu erzeugen, die im Körper auch überlebten. Nach einem Monat exprimierten noch neun bis 56 Prozent der T-Zellen das transferierte Gen. Die Therapie scheint demnach nicht bei allen Patienten zu greifen. Bei den anderen kam es jedoch zu einer gewissen Wirkung. Hier griffen die T-Zellen den Tumor an. Bei zwei Patienten wurden Teilremissionen erzielt. Einer ist nach der operativen Entfernung einer Lebermetastase seit nunmehr einem Jahr ohne Rezidiv. Bei dem anderen Patienten kam es zu einer Remission in Leber, Lymphknoten und Lunge.

Auf die Gesamtgruppe von 17 Patienten bezogen sind Teilremissionen bei zwei Patienten nicht unbedingt ein überzeugendes Ergebnis, zumal eine Vergleichsgruppe fehlt. Dies wäre aber auch der falsche Anspruch an den in erster Linie experimentellen Studien von Rosenberg. rme
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